Zweifel an veröffentlichten Daten von neuer Astrazeneca-Studie

Deutsches Ärzteblatt vom 23.3.2021

Die US-Gesundheitsbehörde NIAID hat Zweifel an der Aussagekraft von Daten einer neuen Untersuchung des Pharmakonzerns Astrazeneca zu dessen Impfstoff geäußert. Dabei geht es um Ergebnisse einer Phase-3-Studie mit etwa 32.500 Probanden, die laut Hersteller eine hohe Wirk­samkeit des Vakzins zeigen. Frühere Untersuchungen, die ebenfalls für eine gute Wirksamkeit des Prä­parats sprechen, zweifelt die NIAID in ihrem Statement nicht an.

„Der DSMB hat sich besorgt gezeigt, dass Astrazeneca möglicherweise veraltete Informationen aus die­ser Studie aufgenommen hat, die eine unvollständige Ansicht der Wirksamkeitsdaten geliefert haben könn­ten“, teilte das Nationale Institut für Infektionskrankheiten (NIAID) unter Berufung auf den Daten­überwachungsausschuss Data and Safety Monitoring Board (DSMB) mit.

Das Unternehmen müsse die Daten überprüfen und sicherstellen, dass die genauesten und aktuellsten Wirksamkeitsdaten so schnell wie möglich veröffentlicht werden.

Astrazeneca betonte in einer Stellungnahme, die veröffentlichten Zahlen basierten auf einer Zwischen­analyse mit dem Datenstichtag 17. Februar. Die Ergebnisse einer zusätzlichen Auswertung stimmten mit dieser Zwischenanalyse überein. Das britisch-schwedische Unternehmen kündigte an, sich umgehend mit dem DSMB in Verbindung zu setzen und die aktuellsten Wirksamkeitsdaten vorzulegen. Diese Ergeb­nisse würden innerhalb von 48 Stunden veröffentlicht.

Das Unternehmen hatte gestern mitgeteilt, dass eine Phase-3-Studie mit etwa 32.500 Probanden in den USA, Chile und Peru die hohe Wirksamkeit des Coronaimpfstoffs bestätigt habe. So schütze das Vakzin mit einer Wirksamkeit von 79 % vor COVID-19, bei über 65-Jährigen betrage dieser Wert 80 %

Das bedeutet, dass unter den älteren Probanden einer geimpften Gruppe 80 % weniger Erkrankungen auftraten als unter denen einer Kontrollgruppe. Die Wirksamkeit über alle Altersgruppen hinweg in Be­zug auf schwere Krankheitsverläufe liege sogar bei 100 %. Auch zuvor hatten Studien dem Impfstoff unabhängig voneinander eine hohe Effektivität bescheinigt.

Das britisch-schwedische Unternehmen hat den Impfstoff namens AZD1222 zusammen mit der Uni­ver­sität Oxford entwickelt. Er wird seit Januar in Großbritannien in großem Stil eingesetzt.

Deutschland und mehrere andere Staaten hatten die Impfung mit dem Astrazeneca-Stoff vorerst ausge­setzt, weil mehrere Fälle mit Thrombosen (Blutgerinnseln) in den Hirnvenen in zeitlichem Zusammen­hang zur Impfung gemeldet wurden. Mittlerweile wird das Vakzin wieder eingesetzt.

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hatte Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffs bestätigt. © rme/aerzteblatt.de



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