Zahl der COVID-19-Patienten auf Intensivstation wieder über 1.000

Deutsches Ärzteblatt vom Montag, 30. August 2021


Die Zahl der bundesweit auf Intensivstationen behandelten COVID-19-Patienten ist in der vier­ten Coronawelle erstmals wieder über 1.000 gestiegen. Im DIVI-Register-Tagesreport von gestern wurden 1.008 COVID-19-Patienten auf Intensivstation gemeldet, 485 davon mussten beatmet werden.

Zuletzt war ein Wert von über 1.000 im Tagesreport vom 18. Juni erfasst worden (1.011). Der Tiefstand vor dem Aufflammen der vierten Welle hatte bei 354 im Report vom 22. Juli gelegen, seither nimmt die Belegung wieder zu.

Am 29. August vergangenen Jahres hatte die Zahl bei gerade einmal 241 gelegen (134 beatmet), erst zu Ende Oktober hin war sie im Zuge der zweiten Welle auf über 1.000 gestiegen. Anders als im Vorjahr sind zudem inzwischen längst nicht mehr vor allem Senioren betroffen.

Knapp jeder zehnte derzeit auf Intensivstation behandelte COVID-19-Patient ist den Daten des DIVI-Re­gisters zufolge 30 bis 39 Jahre alt, knapp jeder fünfte 40 bis 49 Jahre (Stand 26.08., Aktualisierung je­weils donnerstags). Die 50- bis 59-Jährigen stellen gut ein Viertel der Patienten, die 60- bis 69-Jährigen gut ein Fünftel. Zumeist sind von schweren Verläufen und Todesfällen Ungeimpfte betroffen.

Besonders hoch ist der Anteil der COVID-19-Patienten an der Gesamtzahl der Intensivbetten derzeit in Nordrhein-Westfalen (6,4 Prozent) und dem Saarland (5,3 Prozent). Selbst wenn die Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen in den kommenden Tagen nicht weiter steigen oder sogar sinken sollte, würde die Zahl der auf Intensivstation behandelten COVID-19-Patienten zunächst weiter zunehmen. Die Infektions­in­zidenz spiegelt sich stets verzögert bei der Klinikbelegung wieder, weil zwischen Infektion und Ein­weisung meist etwa zehn Tage vergehen.

Das DIVI-Register wird von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfall­medi­zin gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) geführt. Der Höchstwert bei der Zahl der erfassten COVID-19-Patienten auf Intensivstation hatte bei gut 5.700 Anfang Januar im Zuge der zweiten Corona­welle in Deutschland gelegen.

Rund 5.000 Fälle bundesweit gelten nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) als Belastungsgrenze für die Kliniken, wobei dann bereits planbare Operationen verschoben würden. Aller­dings zeigen sich derzeit sehr große Unterschiede beim Infektionsgeschehen in den einzelnen Bundes­ländern und Regionen. Entscheidend für Coronamaßnahmen wird daher der regionale Blick auf Kenn­werte des Infektionsgeschehens und der Klinikauslastung sein.


/dpa, Waltraud Grubitzsch

3 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen