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WHO untersucht neue Corona-VarianteEine neue Variante von Sars-CoV-2 hat ungewöhnlich viele Mutati

Forschung & Lehre vom 26.11.2021


Eine neue möglicherweise gefährlichere Variante des Coronavirus Sars-CoV-2 hat international Besorgnis ausgelöst. Expertinnen und Experten befürchten, dass die Variante B.1.1.529 hoch ansteckend sein könnte und zudem den Schutzschild der Impfstoffe leichter durchdringen könnte. Sie weise mit etwa 50 Veränderungen ungewöhnlich viele Mutationen auf und unterscheide sich von allen anderen bekannten Varianten. Bei einer Pressekonferenz der südafrikanischen Regierung berichteten der Mediziner Richard Lessells von der University of KwaZulu-Natal in Durban und Professor Tulio de Oliveira von der University of Washington von insgesamt 35 Mutationen im Spike-Protein, mit dem das Virus an menschliche Zellen bindet, und über ein Dutzend Mutationen in anderen Teilen des Virus.

Die derzeit verfügbaren Corona-Impfstoffe seien "fast sicher" weniger effektiv gegen diese Variante, sagte James Naismith, Professor für Strukturbiologie an der Universität Oxford, in der Radiosendung BBC 4 Today am Freitag. Ob die Variante auch leichter übertragbar sei, könne anhand der vorliegenden Daten bislang noch nicht mit Sicherheit gesagt werden. "Wir vermuten das und es gibt einige frühe Daten", sagte Naismith.

Susan Hopkins vom Imperial College in London zufolge liege die in Südafrika bislang festgestellte Übertragungsrate (R-Wert) bei 2. Das ähnele den Werten zu Beginn der Pandemie, sagte Hopkins im BBC-Radio. Noch seien mehr Daten notwendig, um zu einer abschließenden Bewertung zu kommen.

"Sie hat keine Mutationen, die wir nicht schon kennen, aber die Kombination der Mutationen kennen wir bisher nicht", sagt Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI). "Wie diese Kombination wirkt, muss man jetzt untersuchen." Aussagen über den Einfluss der Variante auf den Krankheitsverlauf sind derzeit nicht möglich. Watzl geht nicht davon aus, dass die Impfung sich als nutzlos erweist. "Es kann sein, dass die Schutzwirkung abnimmt, aber wir sind nicht schutzlos."

WHO stuft Variante noch nicht als besorgniserregend ein

Die Weltgesundheitsorganisation WHO untersuche bereits, ob B.1.1.529 als besorgniserregend eingestuft werden muss, sagte WHO-Expertin Maria van Kerkhove in einem Briefing. Es werde dabei auch untersucht, inwieweit die Variante Folgen für die Diagnostik, Therapien und die Impfkampagnen habe.

Die WHO hat für die unterschiedlichen Corona-Varianten mehrere Kategorien. Eine davon ist die Kategorie "Variant of Concern" (VOC, deutsch "besorgniserregende Variante"). Unter den aktuell vier als "Variants of Concern" gelisteten Varianten ist auch die derzeit in Deutschland vorherrschende Delta-Variante des Coronavirus. Zu den Merkmalen einer solchen Variante kann etwa gehören, dass sie nachgewiesenermaßen die Übertragbarkeit des Coronavirus erhöht hat.

In der zweiten Kategorie listet die WHO derzeit zwei "Variants of Interest" (VOI, deutsch "Varianten von Interesse"), von denen aufgrund bekannter Mutationen und Infektionsfällen in mehreren Ländern angenommen wird, dass sie die Übertragbarkeit des Coronavirus erhöht. Die neue Variante B.1.1.529 zählt bei der WHO bislang weder als VOC noch als VOI, sondern als "Variant Under Monitoring" (VUM), steht also unter Beobachtung.

Erste Fälle von B.1.1.529 im südlichen Afrika

In den vergangenen Tagen sind erste Ansteckungsfälle mit der neuen Variante bekannt geworden. Die Nachrichtenagentur PA zitierte einen Experten der britischen Behörde für Sicherheit im Gesundheitswesen, wonach es bestätigte Fälle in Südafrika, Botsuana und Hongkong gebe. Einige Länder, darunter Großbritannien, Israel und Österreich, schränkten deswegen vorsorglich den Flugverkehr in die Staaten im südlichen Afrika ein. Auch in Deutschland und der EU berät die Politik über diese Maßnahme.

Das südafrikanische Institut für Ansteckende Krankheiten NICD teilte am Donnerstag mit, es seien in Südafrika 22 Fälle der neuen Variante B.1.1.529 nachgewiesen worden. Mit mehr Fällen sei im Zuge der laufenden Genomanalysen zu rechnen. "Obwohl die Datenlage noch beschränkt ist, machen unsere Experten mit allen Überwachungssystemen Überstunden, um die neue Variante und die damit möglicherweise verbundenen Implikationen zu verstehen.



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