WHO Europa lehnt geplante Coronaimpfpässe ab

Deutsches Ärzteblatt vom 5.03.2012

Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) lehnt die von der EU-Kommission geplanten Impfpässe als Coronaimpfnachweis ab. Zwar sei die für den Sommer angekündigte Einführung „wohl unvermeid­lich“, sagte der Regional­direktor der WHO Europe, Hans Kluge, der Welt heute.

„Aber es ist keine Empfehlung der WHO.“ Es gebe ernste Bedenken: So sei unsicher, wie lang eine Immu­nität anhalte. Auch könne ein Impfstoff „nicht unbedingt die Ansteckung anderer Menschen verhindern“.

Die EU-Kommission will am 17. März den Gesetzentwurf für einen „digitalen grünen Pass“ vorlegen, der Coronaimpfungen, COVID-Erkrankungen und negative Tests vermerken soll. Ziel ist, einen sicheren Weg zur Aufhebung von Beschränkungen und zum Reisen in Europa zu finden.

Die Staats- und Regierungs­chefs der Europäischen Union hatten zuvor vereinbart, die Pläne für einen digitalen Impfpass voranzutreiben. Binnen drei Monaten sollen die technischen Voraussetzungen stehen, damit Coronageimpfte europaweit fälschungssicher ihre Immunisierung nachweisen können.

Kluge rechnet damit, dass die Coronapandemie in rund zehn Monaten zu Ende sein werde. Er gehe da­von aus, dass 2021 ein weiteres COVID-Jahr werde, 2020 sei „Terra Incognita“ gewesen. „Ein Jahr später wissen wir viel mehr. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Pandemie Anfang 2022 vorbei ist.“ Was nicht heiße, dass das Virus weg sei. „Aber hoffentlich braucht es dann keine der disruptiven Interventionen mehr.“

Kluge warnte davor, Coronamutationen nicht ernst genug zu nehmen, weil sich manche sehr schnell verbreiten könnten und schwere Krankheitsverläufe auslösten. „Wenn dies nun zusammenfällt mit einer nur langsamen Impfkampagne, dann verlieren wir das Momentum. Dann kann das Virus wieder die Oberhand gewinnen.“ Jetzt sei noch nicht die Zeit für die Menschen in Europa, sich zurückzulehnen.

Das Europabüro der WHO hatte gestern mitgeteilt, dass die Anzahl der Neuinfektionen in Europa um neun Prozent gestiegen sei. Damit habe der vielversprechende Rückgang der vergangenen sechs Wochen gestoppt. Die Virusvariante B.1.1.7, die zuerst in Großbritannien auftrat, sei inzwischen in 43 der 53 eu­ro­päischen Länder aufgetreten. © dpa/aerzteblatt.de


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