WHO behält „Notlage von internationaler Tragweite“ bei

Deutsches Ärzteblatt vom Mittwoch, 27. Oktober 2021


Die Coronapandemie bleibt für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine „Notlage von inter­nationaler Tragweite“ (PHEIC). Dies beschloss WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus gestern auf Em­pfehlung des unabhängigen Notfallausschusses, der sich alle drei Monate trifft, um die Lage neu zu be­urteilen.

Mit der Erklärung einer Notlage sind unter anderem besondere Meldepflichten der Mitgliedsländer ver­bunden. „Eine Analyse der derzeitigen Situation und Prognosemodelle legen nahe, dass die Pandemie noch lange nicht vorbei ist“, teilte der Ausschuss mit. Er rief alle Länder auf, weiterhin sämtliche Schutz­maßnahmen anzuwenden.

Die Pandemie habe Auswirkungen auf humanitäre Einsätze, Massenmigration, Bevölkerungsverschiebun­gen und andere Krisen. Die Länder sollten Vorbereitungen treffen, um sich darauf einzustellen und ihre Hilfsbudgets anpassen. Er appellierte an die Länder, das Ziel der WHO zu unterstützen, dass bis Ende des Jahres 40 Prozent der Bewohner jedes Landes auf der Welt gegen das Virus geimpft sind.

Das scheitert bislang daran, dass für viele Länder vor allem in Afrika nicht genügend Impfstoff zur Verfü­gung steht. Der Ausschuss rief Länder mit guter Impfstoffversorgung auf, Impfdosen abzugeben.

Der Ausschuss appellierte auch an alle Länder, sämtliche sechs Impfstoffe, die die WHO als sicher und effektiv einstuft und die eine Notfallzulassung erhalten haben, anzuerkennen, auch beim Verlangen von Impfnachweisen etwa bei Reisen. Bislang gibt es WHO-Notfallzulassungen für die Coronaimpfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna, Johnson and Johnson, Astrazeneca, Sinopharm und Sinovac.

Der Ausschuss hatte das Ausrufen einer internationalen Notlage wegen des neuen Coronavirus SARS-CoV-2 Ende Januar 2020 empfohlen. Dies ist das höchste Alarmsignal, das die WHO geben kann. Eine formelle Erklärung, ob eine Gesundheitslage eine Pandemie ist oder nicht, gibt es nicht. WHO-Chef Tedros bezeichnete die Coronaentwicklung am 11. März 2020 erstmals als Pandemie.


/dennizn, stock.adobe.com

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