Westerfellhaus lehnt eine Impfpflicht für Pflegekräfte ab

Deutsches Ärzteblatt vom Dienstag, 21. September 2021


Trotz Sorge vor einem Herbst mit steigenden Coronainfektionszahlen ist der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, gegen eine Coronaimpfpflicht für die Berufsgruppe. „Aus dem Berufsethos der Pflegekräfte heraus erwarte ich, dass die Menschen mit Pflegebedarf geschützt werden“, sagte Westerfellhaus dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, heute). „Dazu gehört auch die Impfung.“

Eine Diskussion über eine Impfpflicht halte er zum jetzigen Zeitpunkt aber weder für sinnvoll noch für nötig, so Westerfellhaus. „Wir sollten weiter auf Information und leichten Zugang zu den Impfungen setzen.“ Es wäre allerdings richtig, dass Arbeitgeber fragen dürften, ob jemand geimpft sei, damit ungeimpftes Personal nicht mehr den direkten Kontakt zu den Pflegebedürftigen hätte.

Nach Einschätzung des Pflegebeauftragten ist die Coronasituation auf den Pflegestationen zurzeit beherrschbar. „Dennoch schauen Pflegekräfte mit Sorge auf den Herbst“, fügte er hinzu. „Die meisten Pflegenden haben wenig Verständnis dafür, dass Deutschland keine ausreichende Durchimpfung in der Bevölkerung hat.“ Er appelliere daher an alle, sich zeitnah impfen zu lassen.

Zugleich betonte Westerfellhaus, die Rahmenbedingungen der Pflegearbeit müssten sich weiter spürbar verbessern. „Pflegekräfte wünschen sich eine faire Bezahlung, verlässliche Dienstpläne, flexible Arbeitszeiten, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Berufsautonomie.“ Dann werde man auch mehr Personal für die Pflege in Krankenhäusern, Altenheimen und im häuslichen Bereich gewinnen.

Im Jahr 2019 hatte der Bund eine Ausbildungsoffensive in der Pflege gestartet: Bis 2023 sollen die Ausbildungszahlen um zehn Prozent steigen. „Hier sind wir auf einem guten Weg“, so Westerfellhaus. „Junge Menschen wollen den Beruf trotz Corona erlernen und sehen für den Job eine Perspektive. Wir müssen aber dafür sorgen, dass insbesondere die Arbeitgeber verstehen, dass Auszubildende keine Lückenfüller oder Fachkräfte sind. Auszubildende müssen gut begleitet werden.“

Darüber hinaus forderte Westerfellhaus die Vereinheitlichung der Ausbildung der Pflegeassistenten, die in der Altenpflege unterstützend arbeiten. „Wir haben in 16 Bundesländern unterschiedliche Ausbildungszeiten. Einheitliche Verfahren sind also notwendig.“


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