Wer wird zuerst geimpft, wer später?

Deutschlandfunk vom 31.1.2021

Nach den Weihnachtsfeiertagen wurde mit den Impfungen gegen das Coronavirus begonnen. Mittlerweile sind mehr als 1,6 Millionen Menschen in Deutschland geimpft, mehr als 900.000 laut Robert-Koch-Institut aus beruflichen Gründen. Dazu zählen unter anderem Ärzte und Krankenpfleger. Eine weitere große Gruppe ist die der über 80-Jährigen. Mit wem geht es entsprechend der Impfverordnung danach weiter? Eine Übersicht.

Erste Gruppe

Hierzu gehören Menschen ab 80 Jahren sowie diejenigen, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung oder Pflege älterer oder pflegebedürftiger Menschen betreut werden oder tätig sind. Zur ersten Gruppe gehört zudem, wer auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, in Rettungsdiensten oder den Impfzentren arbeitet. Diese erste Gruppe umfasst etwa 8,6 Millionen Menschen. Bis Ende Januar werden laut Ministerium deutschlandweit höchstens vier Millionen Impfdosen zur Verfügung stehen. Alle Lieferungen werden nach ihrem Bevölkerungsanteil an die Bundesländer verteilt. Für das gesamte erste Quartal wird mit elf bis 13 Millionen Impfdosen des Unternehmens Biontech gerechnet. Mittlerweile wurde auch der Impfstoff des Herstellers Moderna zugelassen. Aufgrund der zu Beginn knappen Verfügbarkeit von Impfstoffen werden zunächst vor allem Pflegeheimbewohner mit mobilen Teams geimpft. Minister Spahn sprach davon, dass die „Impfung der Schwächsten“ ein bis zwei Monate dauern könnte. Doch da jeder zweimal geimpft werden muss, dürfte dieses Ziel bei der erwarteten Mengen der Dosen nicht erreicht werden.

Zweite Gruppe

Alle ab 70 Jahren sowie Menschen mit einem sehr hohen Risiko oder einer hohen Wahrscheinlichkeit für einen schweren Krankheitsverlauf. Dazu gehören Demenzkranke sowie Menschen mit Trisomie 21, einer geistigen Behinderung und Transplantationspatientinnen und Transplantationspatienten. Auch enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen können sich dann impfen lassen. Zur zweiten Gruppe gehören auch Menschen in Asyl- oder Obdachlosenunterkünften sowie Polizei- und Ordnungskräfte, die in Ausübung ihrer Tätigkeit zur Sicherstellung öffentlicher Ordnung, insbesondere bei Demonstrationen, einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind.

Dritte Gruppe

Alle Menschen ab 60, stark Übergewichtige mit einem Body-Mass-Index über 30, Menschen mit chronischer Nieren- oder Lebererkrankung, Patientinnen und Patienten mit Immundefizienz und HIV-Infizierte sowie Menschen mit Diabetes, Herzerkrankungen oder Bluthochdruck. Erfasst sind außerdem Krebs- und Asthmakranke sowie Menschen mit Autoimmun- oder rheumatischen Erkrankungen. Auch Personen, die im Lebensmitteleinzelhandel tätig sind, sowie Erzieherinnen und Erzieher oder Lehrerinnen und Lehrer gehören dazu. Spahns Verordnung sieht mit den drei Gruppen nur halb so viele vor, wie der Vorschlag der Impfkommission Stiko genannt hatte. Anders als bei der Stiko-Empfehlung ist es bei der Regelung des Ministers auch möglich, innerhalb einer Gruppe zu priorisieren.

Wann können sich Bürgerinnen und Bürger impfen lassen, die keiner der Gruppen angehören?

Hierzu gibt es unterschiedliche Aussagen. Aller Wahrscheinlichkeit nach nicht vor dem Sommer. Aber es bleibt abzuwarten, welche weiteren Impfstoffe zugelassen werden und ob sie dann auch in hoher Stückzahl geliefert werden können. Bundesgesundheitsminister Spahn hat das Ziel ausgegeben, „ab Mitte 2021“ allen Menschen in Deutschland ein Impfangebot zu machen. Bundeskanzlerin Merkel sprach zuletzt vom 21. September.

Wo wird geimpft und wie erfahre ich davon?

Zunächst in den dafür eingerichteten Impfzentren, von denen jeder Landkreis eines bekommen soll. Später soll es auch in den Arztpraxen möglich sein. Mobile Impftrupps kommen laut Spahn in den Heimen zum Einsatz, aber auch bei Hochbetagten und Pflegebedürftigen zuhause, die nicht in ein Zentrum gehen können. Die Impfberechtigten würden informiert, wann es für sie losgehe – etwa per Schreiben oder über eine Hotline, kündigte der Minister an. „Mann wird und Frau wird erfahren, wann sie jeweils dran sind“, sagte er. Von Anfragen bei den Zentren und in Arztpraxen sollte man zunächst absehen, um diese nicht zu überlasten.

Wer bezahlt die Impfung?

Der Bund bezahlt die Impfstoffe. Den Aufbau und die Organisation der Impfzentren finanzieren die Länder sowie die Krankenkassen. Die Länder sowie die gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen teilen sich die Kosten für den Aufbau und Betrieb der Impfzentren.

Werden die Impfungen registriert?

Ja, allerdings anonym. Es werden nicht-personenbezogene Daten dazu erfasst, wie viele Menschen, in welcher Altersgruppe und wo geimpft werden. Nach Rechnung des Bundesgesundheitsministeriums und vieler Expertinnen und Experten ist eine Herdenimmunität bei Sars-CoV-2 erreicht, wenn mindestens zwei Drittel der Bevölkerung geimpft sind.


Wer kann wann geimpft werden? Die Reihenfolge steht nun fest. (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Sue Ogrocki)

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