Was die Delta-Variante so ansteckend macht

Deutsches Ärzteblatt vom Mittwoch, 27. Oktober 2021


Die Delta-Variante von SARS-CoV-2 hat sich noch schneller verbreitet als zuvor die Alpha-Variante. US-Forscher führen dies in Science (2021: DOI: 10.1126/science.abl9463) auf Veränderungen im S-Protein zurück, die einen schnelleren und effizienteren Eintritt in die Zellen ermöglichen.

Delta ist die bislang ansteckendste Variante von SARS-CoV-2. Das Virus hat eine kürzere Inkubationszeit, und im 1. PCR-Abstrich werden oft 1000-fach mehr Virusgene nachgewiesen. Dies erklärt, warum sich die Variante in den meisten Ländern innerhalb weniger Monate durchsetzen konnte.

Ein Team um Bing Chen vom Boston Children's Hospital hat in Zellkulturen und mit Hilfe von künstlichen Viren nach den Ursachen der erhöhten Infektiosität gesucht. Die Experimente zeigen, dass die Delta-Variante schneller in die infizierten Zellen eindringt. In den Zellkulturen war dies nach 60 Minuten der Fall, während bei den anderen Varianten mehrere Stunden vergingen.

Chen führt dies auf eine beschleunigte Fusion des S-Proteins mit der Membran zurück. Die Fusion ist der 2. Schritt der Infektion nach dem Andocken des S-Proteins am ACE-Rezeptor. Sie gelingt möglicherweise leichter, weil die Delta-Variante durch Mutationen im N-terminalen Ende des Spikeproteins einige Hin­der­nisse beseitigt hat.

Ein Vorteil der Delta-Variante ist, dass sie auch Zellen infizieren kann, die relativ wenige ACE-Rezeptoren haben. Ob dieser größere Zellpool zu einer schwereren Erkrankung führt, ist derzeit unklar.

Die Veränderungen im N-terminalen Ende könnten jedoch erklären, warum die zugelassenen Impfstoffe eine schwächere Wirkung haben. Die durch die Impfung erzeugten Antikörper binden häufig an dieser Stelle des Coronavirus. Ein universaler Impfstoff, der gegen alle Varianten schützt, müsse deshalb Antikörper gegen andere Strukturen erzeugen, schreibt Chen.


/Dimitris, stock.adobe.com

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