VITT: Plasmaaustausch bei schwerer Komplikation der Coronaimpfung effektiv

Deutsches Ärzteblatt vom Montag, 12. Juli 2021

Ein mehrmaliger therapeutischer Plasmaaustausch kann eine Impfstoff-induzierte immune thrombotische Thrombozytopenie (VITT) durchbrechen, zu der es in seltenen Fällen nach der Gabe von Vektor-basierten Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 kommen kann.

Kanadische Mediziner berichten im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMc2109465) über ihre Erfahrungen an 3 Patientinnen.

Alle 3 Frauen im Alter von 45, 46 und 48 Jahren waren nach einer Impfung mit AZD1222 (Vaxzevria) von Astrazeneca an einer schweren VITT erkrankt, die nicht auf eine intravenöse Behandlung mit Immun­globulinen (IVIG) angesprochen hatte. 2 Patientinnen hatten außerdem Prednison erhalten.

Die Behandlung soll die Zerstörung weiterer Blutplättchen verhindern, die durch Antikörper gegen den Plättchenfaktor 4 (PF4) ausgelöst wird. Die Thrombozytenwerte hatten sich auch nach 3 bis 5 Tagen nicht erholt. Erhöhte D-Dimer-Werte zeigten an, dass es weiter zur Bildung von Thromben in Arterien und Venen kam, obwohl die Patientinnen mit dem Antikoagulans Argatroban behandelt wurden.

In dieser Situation entschieden sich Christopher Patriquin vom University Health Network Toronto und Mitarbeiter für einen therapeutischen Plasmaaustausch. Dabei wurde das Blut der Patientinnen durch eine Apheresemaschine geleitet, die das Plasma von den übrigen Blutbestandteilen trennt und verwirft. Zum Ersatz erhielten die Patientinnen Plasma von gesunden Spendern. Die Behandlung sollte im Prinzip die PF4-Antikörper entfernen, die für die Thrombozytopenie verantwortlich sind.

Diese Wirkung wurde allerdings erst nach einem mehrmaligen therapeutischen Plasmaaustausch er­reicht. Bei 1 Patientin wurde die Behandlung an 7 aufeinander folgenden Tagen durchgeführt und dabei an den letzten 4 Tagen mit IVIG kombiniert. Die anderen 2 Patientinnen benötigten einen 5-maligen Plas­maaustausch, bei 1 Patientin wurde er mit der Gabe von Rituximab kombiniert. Das Biologikum sollte mit den B-Zellen die Produzenten der PF4-Antikörper beseitigen.

Laut Patriquin haben sich die Thrombozytenwerte bei allen 3 Patientinnen erholt. Ein Rückgang des D-Dimers zeigte das Ende der Thrombosierungen an. Alle Patientinnen überlebten, bei 1 Patientin musste jedoch ein Bein oberhalb des Knies amputiert werden.

Eine Fallserie kann die Wirksamkeit des therapeutischen Plasmaaustauschs zwar nicht belegen. Die Morta­lität der VITT wird allerdings mit 30 % bis 60 % angegeben, so dass ein Behandlungsversuch gerecht­fertigt erscheint. Patriquin rät dazu, wenn sich Thrombozytenwerte und D-Dimer nach 5 Tagen unter einer Standardbehandlung mit IVIG und Steroiden noch nicht gebessert haben. © rme/aerzteblatt.de


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