USA: Impfstoffe haben in der Omikron-Welle hohe Schutzwirkung bei Kindern erzielt

Deutsches Ärzteblatt vom Donnerstag, 31.3.2022


Die Impfung von Kindern im Alter von 5 bis 11 Jahren, die in den USA seit Oktober 2021 möglich ist, hat während der Omikron-Welle eine Impfstoffwirksamkeit von 68 % erzielt, die nach den Ergebnissen einer Test-negativen Fall-Kontrollstudie im New England Journal of Medicine (2022; DOI: 10.1056/NEJMoa2202826) sogar höher ausfiel als bei 12- bis 18-Jährigen, deren Impfung wegen der früheren Zulassung zumeist länger zurücklag.

Die Impfung von Kindern gegen COVID-19 wird in den USA nur zögerlich angenommen. Bis Mitte März waren erst 27 % der 5- bis 11-Jährigen geimpft. Dabei kam die Zulassung der FDA im Oktober gerade rechtzeitig zur Omikron-Welle, die 2 Monate später die Fallzahlen vor allem bei Kindern und Jugend­lichen ansteigen ließ.

Viele Kinder, die im November oder Dezember geimpft wurden, hatten bei einer Infektion im Januar und Februar einen optimalen Impfschutz, während es bei den Jugendlichen, die ab Mai 2021 geimpft werden konnten, bereits zu einem Rückgang der Antikörpertiter gekommen sein dürfte.

Die Auswirkungen zeigen sich in der jüngsten Analyse des „Overcoming COVID-19“-Netzwerk, das für die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) den Verlauf der Epidemie an 31 Kinderkliniken beob­achtet. Die Forscher berechnen dabei die Impfstoffwirksamkeit mit einer Test-negativen Fall-Kontroll­studie, die sich bei der Beurteilung der Grippeimpfstoffe bewährt hat. Die Studie vergleicht den Anteil der Geimpften unter den Kindern und Jugendlichen, die wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt wurden, mit einer Kontrollgruppe ohne COVID-19. Je weniger Kinder trotz einer Impfung an COVID-19 erkranken, desto höher ist die Impfstoffwirksamkeit.

Das Team um Manish Patel von den CDC in Atlanta ermittelt für die Delta-Welle eine Impfstoffwirk­samkeit gegen eine Hospitalisierung von 93 % (95-%-Konfidenzintervall 89 % bis 95 %) für Jugendliche (Alter 12 bis 18 Jahre), deren Impfung 2 bis 22 Wochen zurücklag. Auch eine 23 bis 44 Wochen zurück­liegende Impfung erzielte noch eine Impfstoffwirksamkeit von 92 % (80-97 %).

In der Omikron-Welle ging die Schutzwirkung deutlich zurück. Sie betrug nur noch 40 % (9-60 %) vor einer Hospitalisierung. Kritische Erkrankungen, die eine Intensivbehandlung erforderlich machen, wurden jedoch noch mit einer Impfstoffwirksamkeit von 79 % (51-91 %) verhindert. Die 2. Dosis der Impfung lag im Durchschnitt 162 Tage zurück.

Bei den Kindern im Alter von 5 bis 11 Jahren lag die Impfung dagegen im Mittel erst 34 Tage zurück. Die Impfstoffwirksamkeit gegen eine Hospitalisierung betrug 68 % (42-82 %). Dies zeigte sich anschaulich daran, dass 93 % der Kinder, die wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt werden mussten, nicht geimpft waren. Der Anteil der Kinder, die trotz einer Impfung erkrankten, lag nur bei 7 %. Bei den Jugend­lichen, deren Impfung schon länger zurücklag, betrug der Anteil 13 %. Aber auch hier war die überwie­gende Mehrheit mit 87 % ungeimpft.

Die Zahlen sprechen laut Patel klar für eine Impfung von Kindern im Alter von 5 bis 11 Jahren. Einigen Eltern, die sich für die Impfung entschieden haben, dürfte durch den frischen Impfschutz eine schwere Erkrankung ihres Kindes mit Hospitalisierung und eventuellem Aufenthalt auf einer Intensivstation er­spart geblieben sein. Den Jugendlichen wird derzeit bereits zur Boosterung geraten, deren Wirkung in der aktuellen Studie noch nicht untersucht werden konnte.



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