USA: Delta-Ausbruch unter geimpften Personen in Touristenort

Deutsches Ärzteblatt vom Montag, 2. August 2021

In einem beliebten Touristenort auf der Halbinsel Cape Cod in Massachusetts ist es nach dem Nationalfeiertag am 4. Juli zu einem Ausbruch durch die Delta-Variante von SARS-CoV-2 gekommen mit ungewöhnlich vielen Durchbruchinfektionen von Geimpften.

Obwohl laut dem Bericht im Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR, 2021; DOI: 10.15585/mmwr.mm7031e2) fast alle Infektionen milde verliefen, sind die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) besorgt. Die Viruskonzentrationen waren in den PCR-Tests bei den Geimpften eben­so hoch wie bei nicht geimpften Personen. Die Behörde empfiehlt deshalb eine Maskenpflicht auch in Innenräumen.

Das „Massachusetts Department of Public Health“ hatte am 10. Juli eine Zunahme von Infektionen aus dem Barnstable County und dort aus der Stadt Provincetown registriert, die eine beliebte Destination für Touristen und Partygänger ist. In der Stadt wurde auch nach dem 4. Juli auf verschiedenen Veranstal­tungen gefeiert. Bis zum 26. Juli stieg die Zahl der Infektionen auf 469 allein unter den Einheimischen an. Wie viele Touristen sich infiziert hatten, konnte das Team um Scott Laney von den CDC in Atlanta gar nicht ermitteln.

Der Ausbruch kam für die Behörden überraschend, da in Massachusetts vor dem 4. Juli bereits 69 % der Bevölkerung komplett geimpft waren. Auch 346 der 469 bestätigten Fälle (74 %) waren durchgeimpft: 159 hatten den mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer und 131 den verwandten Impfstoff von Moderna erhalten, 56 waren mit dem Vektor-basierten Impfstoff von Janssen geimpft. Der Impfstoff von Astra­zeneca ist in den USA nicht zugelassen.

Die Durchbruchinfektionen waren zwar milde: 274 Patienten klagten zumeist nur über Husten, Kopf­schmerzen, Halsschmerzen, Muskelschmerzen und Fieber. Nur 4 Patienten (1,2 %) wurden im Kranken­haus behandelt. Ein 5. hospitalisierter Patient war nicht geimpft. Insgesamt 3 der 5 Personen wiesen Vorerkrankungen auf. Alle haben die Erkrankung bisher überlebt.

Der klinische Verlauf der Durchbruchinfektionen, die 6 bis 178 Tage (median 86 Tage) nach Abschluss der Impfungen auftraten, entspricht den bisherigen Erfahrungen, nach denen kein Impfstoff hundertprozentig vor COVID-19 schützt, schwere Verläufe aber in der Regel verhindert.

Ungewöhnlich war jedoch die Häufung der Fälle, die die 14-Tage-Inzidenz im Barnstable County in weniger als 3 Wochen von 0 auf 177 pro 100.000 ansteigen ließ. Die CDC führt den raschen Anstieg der Zahlen auf die Delta-Variante zurück, die in 119 von 133 (89 %) sequenzierten Virusproben gefunden wurde, das heißt eigentlich immer: In 1 Fall wurde der Delta AY.3-Subtyp nachgewiesen, bei den übrigen 13 Proben war die Sequenzierung nicht gelungen.

Ein weiterer ungünstiger Befund ist, dass die Ct-Werte in den Proben von 127 vollständig geimpften Patienten mit median 22,77 kaum höher waren als bei den 84 Patienten, die ungeimpft oder nicht vollständig geimpft waren oder deren Impfstatus unbekannt war. Dort betrug der Ct-Wert median 21,54.

Der Ct-Wert gibt an, nach wie vielen Polymerasezyklen die Virus-Gene nachgewiesen werden, je geringer der Ct-Wert desto mehr Viren sind im Abstrich enthalten und desto höher ist das Ansteckungsrisiko. Die Untersuchung deutet darauf hin, dass Geimpfte bei Durchbruchinfektionen das Virus ebenso leicht ver­brei­ten wie Ungeimpfte.

Ausbrüche wie der im Barnstable County haben die CDC in den letzten Tagen veranlasst, ihre Leitlinien für vollständig geimpfte Personen zu ändern. Die Behörde empfiehlt, dass alle Personen in Regionen mit erheblicher und hoher Übertragung unabhängig vom Impfstatus in öffentlichen Innenräumen eine Maske tragen sollten.

Die US-Medien zitierten in den letzten Tagen aus einem internen Papier der CDC, nach der die Behörde die Delta-Variante als ebenso ansteckend einstuft wie die Windpocken. Delta sei infektiöser als die Viren, die MERS, SARS, Ebola und die Pocken verursachen (aber natürlich weniger pathogen). © rme/aerzteblatt.de


/picture alliance, ASSOCIATED PRESS, Michael Dwyer


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