US-Gesundheits­behörde: Delta-Variante so ansteckend wie Windpocken – trotz Impfung

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 30. Juli 2021

Die Delta-Variante des Coronavirus SARS-CoV-2 ist der US-Gesundheitsbehörde CDC zu­folge so an­steckend wie Windpocken und kann den Schutz von Impfungen leichter durchbrechen. Das heißt auch Geimpfte können sich mit der Variante anstecken und diese weitergeben – sind aber selbst vor schweren Verläufen geschützt, wie es in einer internen CDC-Präsentation heißt, die von der Washington Post veröffentlicht wurde.

In der Präsentation werden bislang unveröffentlichte Studiendaten zitiert, nach denen geimpfte Men­schen, die sich mit Delta infizieren, das Virus genauso leicht weitergeben wie nichtgeimpfte Infizierte. Geimpfte Delta-Infizierte weisen dabei offenbar eine Viruslast auf, die mit nicht geimpften Delta-Infizier­ten vergleichbar ist. Die Erkenntnisse der Behörde stellen dabei allerdings nicht die Wirksamkeit der Impfstoffe infrage: Diese schützten auch bei Delta weiterhin mit hoher Wahrscheinlichkeit vor schweren Verläufen oder dem Tod. Der Schutz vor Ansteckung bestehe zwar auch, scheint aber schwächer zu sein.

Delta auch mit schwereren Verläufen assoziiert

Zudem kommt die CDC zu dem Schluss, dass Delta wohl gefährlicher ist als das ursprüngliche SARS-CoV-2 und Erkrankte eher schwere Verläufe erfahren. Es müsse „anerkannt werden, dass sich der Krieg verän­dert hat“, hieß es auf einer der Präsentationsfolien.

Zuletzt hatte die CDC ihre Richtlinien angesichts der starken Ausbreitung der Delta-Variante angepasst und auch für Geimpfte in vielen geschlossenen Räumen wieder das Maskentragen empfohlen. Damit gehen die neuen Empfehlungen nicht so weit, wie in dem internen Dokument gefordert wurde: Generel­les Maskentragen, um die Übertragungen der Delta-Variante zu reduzieren. „Ich denke, das Hauptproblem ist, dass geimpfte Menschen wahrscheinlich in einem beträchtlichen Aus­maß an der Übertragung von Delta beteiligt sind“, kommentierte Jeffrey Shaman von der Columbia Uni­versity in New York auf Nachfrage der Washington Post.

COVID-19-Impfung: Von der Herdenimmunität zum Eigenschutz

In gewisser Hinsicht gehe es bei der Impfung nun um den Eigenschutz – darum, sich selbst vor einer schweren Erkrankung zu schützen, so der US-Epidemiologe. Auf Herdenimmunität setzt er angesichts der „vielen Hinweise auf Wiederholungs- und Durchbruchinfektionen“ nicht mehr.

„Wir müssen uns als neues Ziel die Vorbeugung schwerer Erkrankungen und Beeinträchtigungen sowie deren gesundheitlicher Folgen setzen, und uns nicht um jedes Virus sorgen, das in jemandes Nase gefun­den wird“, zitiert die Washington Post die Impfspezialistin Kathleen Neuzil von der University of Mary­land School of Medicine. „Es ist hart, aber wir müssen uns daran gewöhnen, dass das Coronavirus nicht mehr weggehen wird.“

Die hochansteckende Variante des Virus hat in den USA nach den neuesten verfügbaren Daten des CDC (bis 17. Juli) mehr als 82 % Anteil an allen Infektionen – diese Zahl dürfte mittlerweile bereits deutlich höher liegen. Unterdessen tritt die Vakzinkampagne mit rund 50 % vollständig geimpften US-Bürgern auf der Stelle, was eine Ausbreitung der Delta-Variante weiter antreibt. © nec/dpa/aerzteblatt.de


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