US-Experten: Biontech- und Moderna-Impfstoffe sollten J&J vorgezogen werden

Deutsches Ärzteblatt vom Montag, 20.12.2021


Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat empfohlen, die Coronaimpfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna dem Vakzin von Johnson & Johnson vorzuziehen. Im Vergleich zu den mRNA-Impfstoffe von Moderna und Biontech sei der Impfstoff von Johnson & Johnson weniger wirksam und berge höhere Ge­sundheitsrisiken, erklärte die CDC-Expertin Sara Oliver Ende vergangener Woche.

Zuvor hatte ein unab­hängiger Expertenausschuss empfohlen, wegen der Gefahr seltener Blutgerinnsel den Janssen-Impfstoff (J&J) zu vermeiden. Nur wenn kein anderer Impfstoff verfügbar sei, biete der Impf­stoff von J&J immer noch mehr Vorteile als Risiken, sagte Oliver.

Janssen ist ein Tochterunter­nehmen von Johnson & Johnson. Allerdings könnten andere Menschen „ande­re Entscheidungen“ treffen. Deswegen sollte der Impfstoff weiterhin angeboten werden.

Grund der Bedenken sind sehr selten vorkommende Blutgerinnsel in Verbindung mit einer verringerten Zahl an Blutplättchen nach einer Impfung mit dem J&J-Vakzin. Laut CDC-Zahlen kam es bei mehr als 14 Millionen Impfungen mit Johnson & Johnson bis zum 9. Dezember zu 9 Todesfällen.

Bis Ende August wurden demnach 54 solcher Thrombosefälle registriert, 36 Patienten mussten auf die Intesivstation Krankenhaus. Am höchsten ist das Risiko bei Frauen im Alter zwischen 30 und 49 Jahren. Unter den 9 Toten waren aber auch 2 Männer.

Der Impfstoff von Johnson & Johnson bietet grundsätzlich auch einen geringeren Schutz als die Vakzine von Biontech und Moderna, die auf der mRNA-Technologie basieren. In der Impfkampagne in den USA spielt J&J deswegen eine untergeordnete Rolle: Auf insgesamt 284 Millionen verimpfte Dosen von Bion­tech und 186 Millionen Dosen Moderna kommen lediglich 17 Millionen Dosen J&J.

Ähnlich ist das Bild in Deutschland: Wurden von dem Impfstoff von Biontech mehr als 109 Millionen Do­sen geliefert, sind es von J&J lediglich rund fünf Millionen. Gesundheitsbehörden hatten anfangs große Hoffnungen in den Vektorimpfstoff von Johnson & Johnson gesetzt: Nicht nur galt zunächst – anders als bei Biontech und Moderna – eine Impfdosis als ausreichend. Der Impfstoff muss auch nicht bei so niedri­gen Temperaturen gelagert werden wie die mRNA-Vakzine. Das bedeutet eine logistische Hürde weniger.

Im April wurde dann aber nach vereinzelten Fällen von Blutgerinnseln der Einsatz des J&J-Vakzins in den USA vorübergehend ausgesetzt. Die Gesundheitsbehörden urteilten schließlich nach einer Prüfung, der Nutzen des Impfstoffs überwiege die Risiken. In den Wochen zuvor hatten bereits Thrombosefälle beim Coronaimpfstoff des britisch-schwedischen Pharmaunternehmens Astrazeneca in Europa für Schlagzeilen gesorgt. Grundsätzlich sind solche Fälle sehr selten.

Johnson & Johnson betonte am vergangenen Donnerstag, sein Coronaimpfstoff sei ein „lebensrettendes Instrument für Menschen in Hochrisikogruppen“. Die Experten des CDC-Beratergremiums waren sich zu­dem einig, dass keine Empfehlung gegen den J&J-Impfstoff ausgesprochen werden sollte, weil dies ein negatives Signal an Länder senden würde, in denen das Vakzin die einzige Option sein könnte. Die Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer sind zudem auch nicht völlig ohne Risiken.


/picture alliance, ZUMAPRESS.com, Paul Hennessy

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