Universitätskliniken warnen vor Triage bei Krebspatienten

Deutsches Ärzteblatt vom Dienstag 21.12.2021


Die Lage an den großen Krebszentren in Deutschland spitzt sich wegen der Coronapandemie zu. Mittlerweile haben zwei Drittel der befragten Kliniken keine Kapazitäten mehr, um weitere Krebspatienten aufzunehmen.

Das geht aus der aktuellen Erhebung der Corona Task Force des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Krebsgesellschaft hervor. Die drei Gesellschaften befragen dazu 18 große deutsche universitären Krebszentren, die sogenannten Comprehensive Cancer Center.

„Bei steigenden Fallzahlen müssen wir mit einem erneuten Anstieg an Patienten rechnen, die intensiv­medizinisch betreut werden müssen“, warnte Michael Baumann, Vorstands­vorsitzender des DKFZ in Heidelberg. Die Intensivstationen könnten aber schlichtweg niemanden mehr aufnehmen – das gelte sowohl für Coronapatienten als auch für Menschen mit anderen schweren Erkrankungen. „Tritt dies ein, wird die Triage zum Klinikalltag“, so Baumann.

„Als ärztlicher Direktor einer universitären Klinik bin ich täglich damit konfrontiert, dass aufgrund des enormen Betreuungsaufwands von COVID-19-Erkrankten personelle Engpässe in der stationären Krebs­versorgung entstehen, auch dringende Operationen verschoben werden oder Patientinnen und Patienten nach einer Krebs-OP frühzeitig die Intensivstation verlassen müssen, weil ihr Bett dringend gebraucht wird“, erläuterte Thomas Seufferlein, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft.

„Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass überfüllte Intensivstationen wegen COVID-19 zu einer ungewollten Priorisierung der zu behandelnden Patienten und damit zu einer stillen Triage führen“, warnte er. Es sei „wichtiger als je zuvor“, entsprechende Versorgungskapazitäten in den Kliniken und Krankenhäusern, insbesondere in den Krebszentren, für Krebspatienten sicherzustellen, betonte er.

Die drei Krebsorganisationen appellieren daher abermals an die Bevölkerung, das Impfangebot wahrzunehmen und Kontaktbeschränkungen einzuhalten.


/Rido, stock.adobe.com

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