Studie: Schweden war Exporteur des Coronavirus

Deutsches Ärzteblatt vom Mittwoch, 17.11.2021


Die legere Strategie der schwedischen Regierung hat nicht nur zu einer deutlich höheren Zahl von COVID-19-Erkrankungen und Todesfällen geführt als in den Nachbarländern. Einer Studie in Eurosurveillance (2021; DOI: 10.2807/1560-7917.ES.2021.26.44.2001996) zufolge wurden die Viren auch vermehrt über die Grenzen in andere nordische Länder exportiert.

Die Ausbreitung von SARS-CoV-2 lässt sich heute durch Genomanalysen verfolgen. Wenn eine Mutation in einem Land zuerst auftritt und später in anderen Ländern beobachtet wird, zeigt dies die Richtung der Ausbreitung an. Häufig lassen sich Infektionsketten rekonstruieren.

Ein Team um John Pettersson von der Universität Uppsala hat alle 71.355 SARS-CoV-2-Genome, die bis zum 22. März 2021 von den 5 nordischen Ländern auf der Datenbank GISAID gespeichert wurden, analysiert.

Die phylogeographische Untersuchung ergab, dass SARS-CoV-2 zwischen Januar und Februar 2020 in den nordischen Ländern eintraf. In Schweden konnte sich das Virus rasch ausbreiten, da die Regierung auf gesetzliche Einschränkungen des öffentlichen Lebens verzichtete und lediglich Handlungsempfehlungen herausgab.

Schon bald darauf setzte eine grenzüberschreitende Migration der Viren ein. Die Gesamtzahl der Export­ereignisse war für Schweden mit 552 deutlich höher als für Dänemark (125). Noch seltener wurden die Coronaviren aus Finnland (36) oder Norwegen (33) exportiert. Von Island aus scheint das Virus gar nicht in andere Länder gelangt zu sein (wobei sich die Zahlen auf die Fälle beschränkt, in denen das Genom bestimmt wurde). Auch die Zahl der nachgewiesenen Infektionsketten war in Schweden größer und ihre Dauer länger.

Pettersson hält es für wahrscheinlich, dass die Epidemien in den anderen 4 nordischen Ländern milder ausgefallen wären, wenn die schwedische Regierung ähnlich strenge Regelungen getroffen hätte.


/Nick Julia, stock.adobe.com

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