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Studie: Long COVID kann auch zu Libido- und Haarverlust führen

Deutsches Ärzteblatt vom Dienstag 26.7.2022


Long-COVID-Symptome können sehr vielfältig sein. In einer retrospektiven Analyse von fast einer halben Million Patienten in Nature Medicine (2022; DOI 10.1038/s41591-022-01909-w) standen einige Symptome im Vordergrund die bisher nicht mit der Erkrankung in Verbindung gebracht wurden.

Long COVID umfasst nach einer Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) alle Symptome, die 12 Wochen nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 noch nicht abgeklungen sind und nicht durch andere Erkran­kungen erklärt werden können.

Die häufigsten Störungen waren bisher Abgeschlagenheit („Fatigue“), Kurzatmigkeit und kognitive Störun­gen, die auch als „brain fog“ bezeichnet werden. Hinzu kommen eine Reihe von Residualsymptomen wie Geruchs­störungen, die oft erst nach mehreren Monaten verschwinden.

Ein Team um Krishnarajah Nirantharakumar von der Universität Birmingham ermittelte jetzt in einer Analyse von Krankenakten eine Reihe weitere Störungen. In einer Propensityanalyse, die soziodemografische Merk­ma­le, Raucherstatus, Body-Mass-Index (BMI) und Komorbiditäten berücksichtigt, wurden 486.149 Erwachsene mit bestätigter SARS-CoV-2-Infektion und 1.944.580 Erwachsene ohne bekannter SARS-CoV-2-Infektion ver­glichen.

Das Symptom mit der höchsten Hazard Ratios (HR) war die Anosmie. Sie trat bei den Infizierten 6,49 mal häufiger auf als in der Vergleichsgruppe. Es folgten Haarausfall (HR 3,99), Niesen (HR 2,77), Ejakulations­störungen (HR 2,63), eine verminderte Libido (HR 2,36), Atemnot in Ruhe (HR 2,20), Müdigkeit (HR 1,92), pleuritischer Brustschmerz (HR 1,86) eine heisere Stimme (HR 1,78) und Fieber (HR 1,75). Haarausfall und Störungen der Sexualität wurden bisher nicht mit Long COVID in Verbindung gebracht.

Frauen erkrankten nach der Analyse häufiger an Long COVID (HR 1,52), obwohl sie in der Regel seltener schwer an COVID-19 erkranken. Ein ähnlicher Widerspruch besteht beim Alter. Obwohl das Risiko auf einen schweren Verlauf mit dem Alter deutlich zunimmt, leiden eher jüngere Erwachsene unter Long COVID. Nach den Berechnungen von Nirantharakumar erkranken 30- bis 39-Jährige zu 6 % (HR 0,94) und über 70-Jährigen zu 25 % (HR 0,75) seltener an Long COVID als 18- bis 30-Jährige.

Es gibt auch ein leichtes soziales Gefälle: Für Personen mit der höchsten sozioökonomischen Deprivation ermittelt Nirantharakumar eine Hazard Ratio von 1,11. Raucher und ehemalige Raucher hatten ebenfalls ein leicht erhöhtes Risiko, Long-COVID-Symptome zu entwickeln (HR 1,12 beziehungsweise 1,08).

Häufiger betroffen waren auch Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (HR 1,55), benigner Prostatahyperplasie (HR 1,39), Fibromyalgie (HR 1,37), Angstzuständen (HR 1,35), vorbestehender erektiler Dysfunktion (HR 1,33), Depressionen (HR 1,31), Migräne (HR 1,26), multiple Sklerose (HR 1,26), Zöliakie (HR 1,25) und Lernbehinderungen (HR 1,24).


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