Studie: Labortests zeigen Schutzwirkung einer Impfung an

Deutsches Ärzteblatt vom Dienstag, 6. Juli 2021

Die Schutzwirkung einer Impfung gegen SARS-CoV-2 lässt sich 4 Wochen nach der 2. Dosis durch die Bestimmung von Antikörpertitern und durch Neutralisationstests abschätzen, wie eine Unter­suchung zum Astrazeneca-Impfstoff AZD1222 in medRXiv (2021; DOI: 10.1101/2021.06.21.21258528) zeigt. Die Erkenntnisse könnten die Zulassung neuer Impfstoffe beschleunigen.

Anderthalb Jahre nach dem Beginn der Pandemie sind weltweit 6 verschiedene Impfstoffe im Einsatz. Weitere 105 befinden sich nach Angaben der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) in der klinischen Prü­fung.

Mit der zunehmenden Zahl von geimpften und genesenen Personen wird es immer schwieriger, die für die Zulassung notwendigen Studien durchzuführen. Die Prüfung dürfte deshalb in Zukunft auf der Basis der Antikörperreaktion erfolgen. Britische Forscher haben anhand der Zulassungsstudie COV002 des Impfstoffs AZD1222 jetzt ein „correlate of protection“ ermittelt.

Die Studie COV002 war in England durchgeführt worden. Die Teilnehmer wurden wöchentlich kontak­tiert, um im Fall von Symptomen zeitnah einen PCR-Test durchzuführen. Auf diese Weise wurden auch milde Erkrankungen an COVID-19 erkannt.

Ein Team um Merryn Voysey von der Oxford Vaccine Group hat jetzt die Immunantwort von 171 Teilneh­mern, die trotz einer Impfung an COVID-19 erkrankten, mit 1.404 Teilnehmern verglichen, die nach der Impfung gesund blieben. Die Forscher bestimmten verschiedene Antikörpertiter und überprüften die neutralisierende Wirkung an Pseudoviren, die mit dem Spikeprotein von SARS-CoV-2 bestückt waren, und am originalen SARS-CoV-2.

In allen Tests gab es eine deutliche Korrelation. Je mehr Antikörper die Geimpften im Blut hatten und je besser diese die Laborviren von der Infektion von Zellkulturen abhielten, desto geringer war die Zahl der symptomatischen COVID-19-Erkrankungen.

Bei einem Anti-Spike IgG-Titer von 4.446 AU/ml lag die Schutzwirkung (VE) nur bei 50 %, bei einem Titer von 40.923 AU/ml stieg die VE auf 80 % und bei 139.306 AU/ml sogar auf 90 % an. Für Antikörper gegen die Rezeptorbindungsstelle ermittelt Voysey eine ähnliche Korrelation mit einer VE von 50 % bei einer Antikörperkonzentration von 2.193 AU/ml. Die VE stieg bei einem Titer von 63.383 AU/ml auf 80 % und bei einem Titer von 295.781 AU/ml auf 90 %. Schwere Verläufe wurden bereits durch geringe Antikörper­titer verhindert. Ähnliche Trends gab es bei den Neutralisationstests mit echten SARS-CoV-2 und Pseudo­viren.

Die Tests könnten im Prinzip auch von Privatpersonen durchgeführt werden, um die Qualität der Immun­abwehr ermitteln zu lassen. Ein solches Angebot dürfte jedoch eher unwahrscheinlich sein, weil ein quan­titativer Antikörpertest aufwändiger ist als ein einfacher serologischer Nachweis von Antikörpern, von den Neutralisationstests ganz zu schweigen.

Zum anderen zeigen die Ergebnisse, dass auch hohe Antikörpertiter keinen absoluten Schutz bieten. Schließlich ist zu bedenken, dass die Antikörpertiter sich mit der Zeit verändern und der Test deshalb regelmäßig wiederholt werden müsste. Zur Prüfung neuer Impfstoffe könnte sich die quantitative Anti­körperbestimmung jedoch eignen. © rme/aerzteblatt.de


/Alexander Limbach, stock.adobe.com

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