Strategiewechsel: Astra­zeneca-Impfstoff ohne Rückstellungen „verimpfen“

Deutsches Ärzteblatt vom 5.2.2021

Angesichts größerer angekündigter Liefermengen des Coronaimpfstoffes von Astrazeneca ruft Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) die Länder dazu auf, das Vakzin ohne Rückstellungen für die Zweitdosis an die priorisierten Gruppen zu verabreichen.

In Anbetracht des in diesem Fall von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Mindestab­stands zwischen Erst- und Zweitimpfung von neun bis zwölf Wochen und wegen „der weiter bestehen­den Knappheit an Impfstoffen bei gleichzeitig hohem Bedarf“ empfehle er, die für den 6., 12. und 19. Februar angekündigten Impfdosen „vollständig und ohne Rückstellungen für die Zweitimpfungen zu verimpfen“, heißt es in einem Schreiben Spahns an die Länder.


„Auf diesem Weg können nach der Zulassung von Astrazeneca in den ersten drei Februarwochen mehr als 1,7 Millionen Bürgerinnen und Bürger ihre Erstimpfung erhalten.“ Nach dpa-Informationen werden morgen 345.000 Impfdosen in Deutschland erwartet, eine Woche später 391.000 und am 19. Februar eine Million Impfdosen. Anfang März sollen es dann noch einmal 1,5 Millionen Dosen sein.

Wie mit den Liefermengen im März umzugehen sei, solle bei einer Schaltkonferenz der Gesundheitsmi­nis­ter am 22. Februar entschieden werden, schreibt Spahn weiter. „Die Terminvergabe für die Zweitim­pfung nach neun bis zwölf Wochen soll selbstverständlich und vorsorglich bereits jetzt erfolgen.“

Die Impfkommission hatte das Vakzin von Astrazeneca nur für unter 65-Jährige empfohlen, so dass es derzeit im Wesentlichen nur Pflegekräften und medizinischem Krankenhauspersonal sowie den Mitarbei­tern in den Impfzentren verabreicht werden kann.

Nordrhein-Westfalen gab bereits bekannt, der Empfehlung des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ters folgen zu wollen und die ersten 600.000 Impfdosen von Astrazeneca komplett für die Erstimpfungen einsetzen, ohne Rückstellungen zu bilden. Dies bestätigte ein Sprecher des Landesgesundheitsministeriums heute.

„Die großen Unterschiede zwischen Impfstoffen sind der Eintritt der hohen Wirksamkeit sowie der Zeit­raum zwischen Erst- und Zweitimpfung“, erläuterte er. Bei Astrazeneca trete hohe Wirksamkeit bereits nach der ersten Impfung ein, bei Biontech und Moderna sei für den vollständigen Schutz die Zweitim­pfung erforderlich.

Unterschiedliches Vorgehen sinnvoll

Auch beim zeitlichen Abstand zwischen der Erst- und der Zweitimpfung gebe es bei den Impfstoffen Unterschiede: Beim Impfstoff von Biontech sollte die Zweitimpfung den Ministeriumsangaben zufolge drei Wochen und bei dem von Moderna vier Wochen nach der Erstimpfung erfolgen. Beim Impfstoff von Astrazeneca sollte demnach die zweite Spritze zwischen der neunten und zwölften Woche verabreicht werden.

„Dieser im Verhältnis lange Zeitraum eröffnet darüber hinaus Spielräume, um Lieferengpässe auszu­gleichen“, unterstrich der Sprecher. Es sei somit durchaus sinnvoll, beim einen Impfstoff strikt Rücklagen zu bilden und beim anderen „durchzuimpfen“. © dpa/aerzteblatt.de


/oasisamuel, stock.adobe.com

4 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen