Strategien zur Antikoagulation bei COVID-19

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 12.11.2021


Lungenembolien und Thrombosen sind eine häufige Todesursache bei COVID-19-Infektionen. Unabhängig vom Schweregrad der Erkrankung sollten Risikopatienten identifiziert und angepasste Stra­tegien zur Antikoagulation umgesetzt werden.

Als Folge von virusinduzierten Entzündungskaskaden entwickeln COVID-19-Patienten häufig einen pro­koagulativen Zustand, der durch virusinduzierte endotheliale Dysfunktion, Zytokinsturm (IL-6, IL-8 und TNF-α) und thrombotischer Mikroangiopathie begünstigt wird.

Dabei entstehen diffuse mikrovaskuläre Thromben in verschiedenen Organen, überwiegend jedoch in pulmonalen Mikrogefäßen. Das thrombotische Risiko scheint direkt mit der Schwere der Erkrankung zu steigen und verschlechtert die Prognose dieser Patienten deutlich. Bei Patienten mit kritischen COVID-19-Verläufen ist das Risiko für thrombotische Läsionen in der Lunge etwa doppelt so hoch, als bei un­kritischen Patienten.

Hinweise auf Lungenembolie geben zum Beispiel eine Hypoxämie, die in keinem Verhältnis zu Atem­wegs­erkrankungen steht, mit oder ohne akute unerklärliche rechtsventrikuläre Dysfunktion, auch ohne typische Anzeichen für tiefen Venenthrombosen, schildern die Autoren des Reviews (DOI: 10.1007/s11239-020-02242-0).

Die Behandlung mit Antikoagulantien ist mit einer niedrigeren Mortalität assoziiert. Daher schlagen Carfora et al. (2021) einen Algorithmus zur Antikoagulation (ohne Kontraindikationen) vor, der auf der Schwere der Erkrankung basiert.

Auch bei leichten COVID-19-Verläufen sollten zum Beispiel der Padua- oder Caprini-Score-Werte zur Abschätzung der Thromboserisiken erfasst und bewertet werden. Wenn der Padua-Score ≥ 4 und/oder der Caprini-Score ≥ 10 ist, sollten mit niedermolekularen Heparinen (NMH) (z.B. 4000 I.E., Q24h) ge­startet werden.

Bereits bei moderaten Verläufen sollten NMH (z.B. 4000–6000 I.E. Q24h) unabhängig von den VTE-Score-Werten, soweit keine Kontraindikationen vorliegen, begonnen werden. In schweren und kritischen Ver­läufen sollte der ISTH-DIC-Score herangezogen werden.

Wenn der ISTH-DIC-Score-Wert kleiner als fünf ist, sollten NMH (z.B. 4000–6000 I.E. Q24h) zum Einsatz kommen. Bei Werten über fünf, empfehlen die Studienautoren, NMH (z.B. 100 I.E./KG Q12h) in voller Dosis zu verabreichen.

Darüber hinaus können Medikamente, die endotheliale Dysfunktionen reduzieren, wie Statine und ACE-Hemmer, in Betracht kommen. NMH werden häufig bei COVID-19-Patienten eingesetzt, um Thrombosen zu verhindern. Es sind jedoch weitere Studien erforderlich, um die optimale Strategie zur Antikoagulation herauszufiltern, geben die Studienautoren zu bedenken.


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