STIKO-Empfehlung: Hausärzte beklagen „enormen Mehraufwand“

Deutsches Ärzteblatt vom Montag, 5. Juli 2021

Die neue Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) zur Kreuzimpfung gegen Corona bringt für die Hausärzte nach eigenen Angaben einen erhöhten Aufwand mit sich.

„Die Ad-hoc-Anpassung der Empfehlung hat bereits am ersten Tag in vielen Praxen für einen enormen Mehraufwand gesorgt“, sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, den RND-Zeitungen von vorgestern. Die STIKO empfiehlt nun, nach einer Erstimpfung mit dem Astra­ze­neca-Impfstoff bei der zweiten Spritze ein mRNA-Vakzin zu verwenden.

„Patientinnen und Patienten sind verunsichert, erfragen, welchen Impfstoff sie nun bei der Zweitimpfung erhalten werden, und wollen auch ihren Termin entsprechend vorziehen“, sagte Weigeldt. Für die Betrof­fenen mache es gerade mit Blick auf die anstehenden Sommerferien „einen großen Unterschied, ob sie neun bis zwölf Wochen auf ihre Zweitimpfung warten oder nur vier“.

Das stelle Ärzte und Praxisteams vor enorme logistische Herausforderungen. Schließlich seien die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna „nur begrenzt verfügbar“, sagte Weigeldt. Auch der Beratungsaufwand sei deutlich höher, insbesondere für Hausärzte, „die sich fleißig für die Impfungen mit Astrazeneca eingesetzt haben und somit sowieso schon einen deutlich höheren Aufklärungsaufwand hatten“, kritisierte der Verbandschef.

Natürlich müssten die Impfempfehlungen dem aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstand angepasst werden, sagte Weigeldt. „Das spricht aber nicht gegen eine klare Kommunikation und die frühzeitige Einbindung derer, die letztlich die Empfehlungen umsetzen“, kritisierte er.

Außerdem wirft die Mitteilung der STIKO laut Weigeldt noch viele Fragen auf, etwa was die Empfehlung für bereits zweimal mit Astrazeneca geimpfte Patienten bedeute und was bei der Kreuz­impfung mit zwei verschiedenen Vakzinen der maximale Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung sei. Den Mindestab­stand hatte die STIKO in ihrer jüngsten Empfehlung auf vier Wochen verkürzt.

Die Bundesländer hatten am vergangenen Freitag zugesagt, die am Vortag veröffentlichte neue STIKO-Empfehlung sofort umzusetzen. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) nannte die Kreuzimpfung „besonders wirksam“. Außerdem kann wegen des kürzeren Abstands zwischen erster und zweiter Dosis früher ein Schutz gegen die sich ausbreitende Delta-Variante des Coronavirus erreicht werden, die besonders ansteckend ist. © afp/aerzteblatt.de

/picture alliance, Marcus Brandt

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