Soziales Umfeld spielt für Steigerung der Impfbereitschaft eine zentrale Rolle

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 30. Juli 2021

Selbst Verschwörungstheoretiker und Impfskeptiker können durch Familie, Kollegen und Freun­­de von der Notwendigkeit der Coronaimpfung überzeugt werden. Das haben Forscher des Leib­niz-Instituts für Wissensmedien (IWM) in Tübingen in Zusammenarbeit mit der University of Queens­land (Australien) ermittelt (DOI: 10.1111/bjhp.12550).

Demnach sind Zweifler eher bereit, sich impfen zu lassen, wenn das persönliche Umfeld es von ihnen erwartet. Erstmals konnten so Erkenntnisse darüber gewonnen werden, wie sich der negative Einfluss von Ver­schwö­rungstheorien auf die Impfbereitschaft abschwächen lassen könnte. „Der entscheidende Faktor ist das soziale Umfeld“, sagt Projektleiter Kevin Winter, wissenschaftlicher Mitarbeiter der IWM-Arbeitsgruppe Soziale Prozesse. Wenn Freunde und Familie eine positive Einstell­ung und Erwartung signalisieren, seien auch Personen, die einer Impfung ansonsten skeptisch gegen­überstehen, eher dazu bereit.

„Dies gilt neben der Immuni­sierung gegen COVID-19 auch für weitere Schutzimpfungen wie etwa der Zeckenimpfung gegen FSME“, so Winter. Allerdings habe auch die Überzeugungskraft des sozialen Umfelds Grenzen. „Menschen, die Impfungen grund­sätzlich ablehnen oder bereits sehr tief in ein verschwörerisches Weltbild abgetaucht sind, sind ver­mut­lich schwer zu erreichen“, ordnet Winter die Studienergebnisse ein.

Dennoch lassen sich aus den Ergebnissen Empfehlungen für den Alltag ableiten: Ein frühzeitiges Ge­spräch mit Bekannten und Verwandten, die entsprechende Bedenken äußern, könnte nicht nur der Aus­breitung von Verschwörungstheorien entgegenwirken, sondern auch deren Impfbereitschaft steigern. © hil/sb/aerzteblatt.de


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