SARS-CoV-2: Unterschiede in der Inzidenz im Karneval

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 7.10.2022


Karnevalsveranstaltungen waren im Jahr 2021 aufgrund von Lockdownmaßnahmen stark einge­schränkt. In diesem Jahr konnten sie dann aufgrund der Einführung einer sogenannten Brauchtumszone mit deutlich ge­rin­geren Einschränkungen stattfinden.

Hendrik Drinhaus und Co-Autoren, Uniklinik Köln, haben nun untersucht, wie sich die unterschiedlichen Hygie­ne­vorschriften in den Karnevalsphasen 2021 und 2022 auf die SARS-CoV-2-Inzidenz in der Karnevalshochburg Köln und Vergleichsregionen von Nordrhein-Westfalen (NRW) und Deutschland ausgewirkt haben (DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0341).

Die Wissenschaftler analysierten dazu die 7-Tage-Inzidenz von SARS-CoV-2. Für Köln und NRW bezogen sie die Daten vom Landeszentrum Gesundheit NRW, für die BRD bekamen sie sie vom Robert-Koch-Institut. Als Beginn des Auswertungszeitraums der Karnevalssaison 2022 legten sie den 1.12.2021 fest, das Ende markierte der 30.4.2022. Den Vergleichszeitraum für die Saison 2021 definierten sie analog dazu vom 1.12.2020 bis 30.4.2021.

Die 7-Tage-Inzidenzen in Köln und BRD betrugen im Dezember 2021 um die 450 Neuinfizierte/100.000 Ein­woh­ner. Im Landesdurchschnitt in NRW lagen sie mit circa 300 Neuinfizierten/100 000 Einwohner darunter.

Vom Ende Dezember bis Mitte Februar stiegen die 7-Tage-Inzidenzen sowohl in Köln (1 863) als auch in NRW (1 723) und BRD (1 474) kontinuierlich an. Im Anschluss an den Straßenkarneval nahm die 7-Tage-Inzidenz in Köln (2 970) massiv zu, während sie in NRW und BRD nur leicht anstieg (1.635/1.758).

Danach sanken die Zahlen rasch wieder ab. In der Saison 2021 lagen die Inzidenzen flächendeckend deutlich niedriger mit Werten um 80 Neuinfizierte/100 000 Einwohner Anfang Februar 2021. Im Anschluss an den Stra­ßenkarneval zeigte sich 2021 weder in Köln, noch in den Vergleichsregionen in NRW und BRD ein relevanter Anstieg der SARS-CoV-2-Inzidenz.

Aufgrund des sprunghaften Anstiegs der Infektionszahlen nach dem Straßenkarneval 2022 in Köln, nicht aber landes- und bundesweit, vermuten die Autoren, dass die Karnevalsfestivitäten die Infektionszahlen in der Karnevalshochburg Köln maßgeblich beeinflusst haben.

Den Einfluss der höheren Testdichte während der Karnevalsphase auf die Zahl an Neuinfektionen halten sie eher für geringer. Parallel zu dem Anstieg der SARS-CoV-2-Inzidenz war in Köln auch ein hoher Personalausfall im Gesundheitswesen und anderen Bereichen der kritischen Infrastruktur zu beobachten.

In Phasen hoher Prävalenzen kontagiöser Erkrankungen, so die Forscher, können Massenveranstaltungen das Gesundheitswesen durch hohe Personalausfälle deutlich belasten.


/dpa, Patrick Pleul

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