SARS-CoV-2: Studie aus Bangladesh bestätigt Nutzen von Gesichtsmasken

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 10. September 2021


Eine Werbeaktion für das Tragen von Masken und die Verteilung von chirurgi­schen Schutzmasken haben in einer Cluster-randomisierten Studie in Bangladesh den Anteil der Bevöl­kerung, der in der Öffentlichkeit Masken trug, deutlich erhöht. Das hat zu einem spürbaren Rückgang der Diagnosen von COVID-19 bei symptomatischen Patienten geführt. Die Ergebnisse wurden in einem Preprint veröffentlicht.

Der Nutzen einer Mund-Nase-Bedeckung war anfangs auch bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) umstritten. Sie sprach sich bis Juni 2020 gegen das Tragen von Gesichtsmasken aus, da diese der Bevöl­kerung ein falsches Signal der Sicherheit geben würden und über ein vermehrtes Risikoverhalten die Zahl der Infektionen sogar erhöhen könnten.

Inzwischen gehören Gesichtsmasken in den meisten Ländern zum Straßenbild. Sie sind neben der sozialen Distanzierung und der Händedesinfektion die wichtigste Maßnahme gegen die Ausbreitung von SARS-CoV-2. Die Evidenz für die Masken war bisher gering.

Eine randomisierte Studie aus Dänemark (DANMASK) hatte im vergangenen Jahr nicht sicher nachweisen können, dass die Masken die Träger vor einer Infektion schützen. Die Studie hatte allerdings nicht unter­sucht, ob die Maske im Fall einer Infektion des Trägers die Menschen in seiner Umgebung schützt, was einen wichtigen Beitrag für die Eindämmung der Epidemie leisten könnte.

Die NGO „Innovations for Poverty Action“ (IPA) mit Sitz in New Haven/Connecticut hat jetzt die Ergeb­nisse einer Cluster-randomisierten Studie vorgestellt, die zwischen November 2020 und April 2021 in Bangladesh durchgeführt wurde.

Bangladesh gehört zu den ärmsten Ländern, und die Bevölkerungsdichte in dem Land ist dreimal höher als in Deutschland. Der Bildungsstand ist vor allem in der ländlichen Bevölkerung niedrig. Wie schnell sich das Virus vor diesem Hintergrund ausbreiten konnte, hatte sich zuvor in der Hauptstadt Dhaka und der Hafenstadt Chattogram gezeigt, die von der ersten Welle hart getroffen wurden. Im Frühjahr 2021 hatten dort 68 % der Bevölkerung Antikörper gegen SARS-CoV-2.

Für die Studie wurden 600 Dörfer mit 342.126 erwachsenen Einwohnern in ländlichen und stadtnahen Gebieten von Bangladesch ausgewählt, die bisher nicht von der Pandemie erreicht worden waren. In 300 Dörfern wurde eine Maskenwerbekampagne gestartet, die anderen 300 bildeten die Vergleichsgruppe.

Die Werbekampagne hatte 4 Komponenten, die als „NORM“-Modell bezeichnet wurden: “No-cost mask distribution, Offering information, Reinforcement to wear masks, and Modeling by local leaders”. Verteilt wurden sowohl chirurgische Masken (versehen mit dem Hinweis, dass sie nach dem Waschen erneut getragen werden können) als auch Stoffmasken aus einheimischer Produktion.

Zu den Informationsmaterialien gehörte ein Video, in dem die Premierministerin des Landes Sheikh Hasina und der Cricket-Star Shakib Al Hasan Werbung für das Tragen von Masken machten. Dieses Video wurde in allen Haushalten gezeigt, in denen Masken verteilt wurden.

Wie das Team um Ahmed Mushfiq Mobarak von der Yale Universität in New Haven/Connecticut mitteilt, war die Werbeaktion recht erfolgreich. Der Anteil der Bevölkerung, der die Masken korrekt trug, stieg von 13,3 % in den Kontrolldörfern auf 42,3 % in den Interventionsdörfern.

Das Tragen von Masken wurde durch Beobachtung an öffentlichen Orten wie Moscheen, Märkten, Haupt­eingangsstraßen zu Dörfern und Teeständen bewertet. Dort wurde auch untersucht, ob die Bevölkerung sich an das Gebot der körperlichen Distanzierung hielt. Die Auswirkungen waren hier geringer. Der Anteil mit der geforderten Distanz erhöhte sich nur von 24,1 % auf 29,1 %. Dies bedeutet, dass die Verände­rungen in der Zahl der Infektionen in erster Linie auf das Maskentragen zurückzuführen war.

Um die Auswirkungen auf COVID-19 zu messen, wurden alle Erwachsenen 5 bis 9 Wochen nach der Wer­be­kampagne befragt: Insgesamt 27.166 (8,1 %) gaben an, während des Studienzeitraums unter COVID-ähnlichen Symptomen gelitten zu haben. In den Kontrolldörfern betrug die Häufigkeit 8,6 %, in den Interventionsdörfern dagegen nur 7,6 %.

Alle symptomatischen Personen wurden zu einem Bluttest auf Antikörper eingeladen, an dem etwas mehr als ein Drittel (40,3 %) teilnahm. Die symptomatische Seroprävalenz betrug in den Kontrolldörfern 0,76 % und in den Interventionsdörfern 0,68 %. Mobarak ermittelt eine adjustierte Prävalenzrate (aPR) von 0,91, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,82 bis 1,00 signifikant war.

Die Werbekampagne hatte demnach auch ihr zweites Ziel erreicht, die Ausbreitung von COVID-19 in den Dörfern zu bremsen. Bei den Zahlen ist zu bedenken, dass die Kampagne die Häufigkeit des Masken­tra­gens nur um 29 %-Punkte erhöht hat. Der tatsächliche Effekt des Maskentragens könnte demnach 3 bis 4 mal höher sein als die 9 %-ige Differenz zwischen den beiden Gruppen anzeigt.

Interessanterweise war ein Vorteil nur für die Träger der chirurgischen Masken nachweisbar. Die aPR betrug hier 0,89 (0,78 bis 1,00). Für die Träger der Stoffmasken war die aPR mit 0,95 deutlich geringer und mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,79 bis 1,11 nicht signifikant.

Die Stoffmaske hatte eine Außenschicht aus 100 % Vliesstoff aus Polypropylen (70 Gramm/m2) und zwei Innenschichten aus 60 % Baumwolle/40 % Polyester, die ineinander verwoben waren (190 g/m2). Die Fil­trationsleistung betrug nur 37 % gegenüber 95 % bei den chirurgischen Gesichtsmasken mit drei Lagen aus Vliesstoff aus 100 % Polypropylen. Die Bewohner wurden darüber informiert, dass sie die chirurgi­schen Masken nach dem Waschen erneut tragen können.

Die beste Schutzwirkung erzielten die chirurgischen Masken bei älteren Erwachsenen. Für die Alters­gruppe 50 bis 60 Jahre ermittelt Mobarak eine aPRR von 0,77 (0,59 bis 0,95), bei den über 60-Jährigen lag sie bei 0,65 (0,46 bis 0,85). In diesen beiden Altersgruppen hatten die chirurgischen Masken das In­fektionsrisiko demnach um 23,0 % beziehungsweise 34,7 % gesenkt, was eine deutliche Schutzwirkung anzeigt.

Die Forscher sind der Ansicht, dass die Studie den Nutzen von Masken eindeutig belegt. Chirurgische Masken seien vor allem für Menschen in ärmeren Ländern eine effektive Methode, das eigene Infekti­onsrisiko zu senken und bei Koston von 0,13 US-Dollar pro Maske kosteneffektiv, wobei von den 0,13 US-Dollar noch 0,06 US-Dollar auf einen Aufkleber entfielen, der auf die Möglichkeit zum Waschen hinwies und zur mehrmaligen Anwendung aufforderte. (Anwender aus reicheren Ländern dürften sich vielleicht wundern, dass sie ein Vielfaches zahlen und zudem der Hinweis zur mehrmaligen Verwendbarkeit fehlt).


/Maridav, stock.adobe.com

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