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SARS-CoV-2-RNA wird vermutlich nicht über den Harnweg übertragen

Deutsches Ärzteblatt vom Dienstag, 9.11.2021


Es ist noch nicht final geklärt, ob das SARS-CoV2-Virus über die Harnwege übertragen wird und somit Urin eine Infektionsquelle darstellen könnte. Eine neue Studie in Infection zeigt jedoch, dass die Viren-RNA im Urin von COVID-19-Patientinnen und Patienten nur selten vorkommt (2021; DOI: 10.1007/s15010-021-01724-4).

Forschende um Letztautor Severin Rodler von der Urologischen Klinik und Poliklinik in München hatten die Urinproben von 64 COVID-19-Betroffenen aus dem CORKUM-Register untersucht. Bei 10 Patienten führten das Autorenteam eine immunhistochemische Färbung des Gewebes aus urologischen Opera­tionen durch.

Das SARS-CoV-2-Virus gelangt in die Zellen, indem das Spike-Protein an den ACE-2-Rezeptor bindet. Viele dieser Rezeptoren befinden sich im Alveolarepithel der Lunge, was erklärt, warum die Infektion dieses Gewebe beeinträchtigt.

Eine hohe ACE-2-Expression konnte auch in den Tubuli der Niere und den Prostatadrüsen beobachtet werden, eine mäßige Expression in den Urothelzellen der Blase und keine Expression in den Glomeruli der Niere, der Blase und dem Stroma der Prostata. Die Viren-RNA-Last im Urin war deutlich geringer als in Nasopharyngealabstrichen (NPS) oder endotrachealen Aspiraten. In nur 5 von 199 Urinproben der 64 Patienten konnten die Forschenden SARS-CoV2-RNA nachweisen.

Der Nachweis der Viren-RNA im Urin stand dabei nicht im Zusammenhang mit einem verschlechterten WHO-Score, der Anzahl weißer Blutkörperchen, CRP- oder Interleukin-6-Spitzenwerten.

Rodler schlussfolgert daher: „Über Nasopharyngealabstriche kann mit großer Wahrscheinlichkeit sicher­gestellt werden, dass Urologinnen und Urologen bei Ihrer Arbeit – etwa bei transurethralen Opera­tionen – sicher vor einer Übertragung über den Urin geschützt sind.“

Mit seinem Team hatte der Urologe vom Klinikum der Universität München im vergangenen Jahr entdeckt, dass bei COVID-19-Patienten häufig Probleme bei der Blasenentleerung auftreten. Unklar blieb jedoch, ob der Harntrakt als Folge einer allgemeinen Entzündungsreaktion betroffen war oder als direkte Folge von SARS-CoV-2 in der Harnflüssigkeit (European Urology 2020; DOI: 10.1016/j.eururo.2020.05.013).

Chinesische Wissenschaftler hatten das SARS-CoV-2-Virus schon frühzeitig in Urinproben von verstor­benen oder lebenden Patienten nachgewiesen (Journal of medical Virology 2020; DOI: 10.1002/jmv.25936). Es wird jedoch davon ausgegangen, dass die Ausscheidung im Urin weder der Prognose noch der Prädiktion dient.


/magicmine, stock.adobe.com

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