SARS-CoV-2: Omikron führt zu hohen Infektionsraten bei Vorschul- und Schulkindern

Deutsches Ärzteblatt vom Mittwoch, 26. Oktober 2022


Bei Kindern und Jugendlichen ist es mit dem Auftreten der Omikron-Variante Ende des Jahres 2021 zu einer extrem starken Zunahme an SARS-CoV-2-Infektionen gekommen. Dies zeigt eine große seroepide­miologische Studie aus Bayern, deren Ergebnisse im Deutschen Ärzteblatt vorgestellt werden (2022; DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0355).

Im Juni 2022 betrug die SARS-CoV-2-Seroprävalenz im Gesamtkollektiv der untersuchten Kinder 73,5 %; bei den Schulkindern war sie deutlich höher als bei den Vorschulkindern (84,4 % versus 66,7 %). Im November 2021, vor dem Auftreten der Omikron-Variante, hatte die Seroprävalenz dagegen bei 14,7 % gelegen (16,2 % der Schulkinder, 13,0 % der Vorschulkinder). Im Gesamtkollektiv und in beiden Altersgruppen stiegen die Seroprävalenzen von Herbst 2021 bis Juni 2022 um das 5-fache.

Die untersuchten Kinder sind Teilnehmende der Fr1da-Studie in Bayern, einem Gesundheitsscreening für präsymptomatischen Typ-1-Diabetes. Im Verlauf der Fr1da-Studie wurde seit Januar 2020 allen Teilnehmen­den zusätzlich die Antikörperbe­stimmung gegen SARS-CoV-2 angeboten. Von Januar 2020 bis Juni 2022 wur­den 59.786 Kinder und Jugendliche auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 untersucht, durchschnittlich etwa 1.993 Kinder pro Monat.Aus dem Antikörperprofil geht hervor, dass 66,7 % der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen genesen be­ziehungsweise genesen und geimpft waren; 6,8 % waren geimpft ohne bisherige Infektion oder hatten eine weit zurückliegende Infektion. Die Seroprävalenz im Juni 2022 stellte das bisherige Höchstniveau seit Beginn der Messungen dar. Von Frühjahr bis Herbst 2021 hatte die Seroprävalenz auf einem relativ stabilen Niveau um die 10-12 % gelegen.

Ähnliche Infektionshäufigkeiten wurden – bei kleineren Fallzahlen – in den Vergleichsstudien Fr1da in Sach­sen und Fr1da-im-Norden beobachtet; dort wurden im Juni 2022 Seroprävalenzen von 87,8 % beziehungs­weise 76,7 % verzeichnet.

Die Autorinnen und Autoren der Studie weisen darauf hin, dass es zu diesem Anstieg von SARS-CoV-2-Infek­tionen – bei vermutlich hoher Dunkelziffer – trotz der regelmäßigen Testverfahren in Schulen und Kinder­gärten beziehungsweise trotz der Maskenpflicht in Schulen kam.

Bei den gegenwärtigen Bedingungen, zum Beispiel einer geringen Impfbereitschaft bei Kindern und Jugend­lichen, einer dominanten Omikron-Variante und fehlenden Infektionsschutzmaßnahmen, sei eine weitere Zunahme seropositiver Kinder und Jugendlicher zunächst wahrscheinlich.


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