SARS-CoV-2: mRNA-Impfstoffe in Studien für Kinder ab 5 Jahren sicher und effektiv

Deutsches Ärzteblatt vom Dienstag, 26. Oktober 2021


Die USA-Arzneimittelbehörde FDA hält eine Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder im Alter von 5 bis 11 Jahren für sicher.

Nach dem vor einer Beratertagung veröffentlichten „Briefing“-Dokument wäre der Nutzen der Impfung auch bei einer niedrigen Inzidenz von SARS-CoV-2 größer als die Risiken, die vor allem in einer Myokarditis/Perikarditis bestehen, die in der vom Hersteller durchgeführten Studie jedoch in keinem Fall aufgetreten ist.

Experten rechnen in Kürze mit einer Zulassung und einer positiven Empfehlung der Impfkommission. Derweil hat auch der Hersteller Moderna Ergebnisse zur Altersgruppe von 6 bis 11 Jahren vorgestellt.

Biontech/Pfizer lässt die Sicherheit von BNT162b2 derzeit in einer Phase-1/2/3-Studie (ohne deutsche Beteiligung) an fast 8.000 Kindern im Alter von 5 bis 11 Jahren prüfen. In der Phase 1 der Studie hat sich eine Dosis von 10 µg mRNA, also 1/3 der Erwachsenendosis, als ausreichend immunogen erwiesen. Die Kinder wurden in der Folge mit dieser Dosis geimpft. Das Intervall betrug wie bei den Erwachsenen 3 Wochen.

Grundlage des Zulassungsantrags sind die Ergebnisse aus 2 Studienkohorten. In der 1. Kohorte mit 2.250 geimpften Kindern (plus 750 in der Placebogruppe) liegt die 2. Dosis bereits mehr als 2 Monate zurück. In der 2. Kohorte mit 1.591 geimpften Kindern und 788 Placebokontrollen betrug die Nachbeobach­tungs­zeit bei der Auswertung median 2,4 Wochen.

Die Wirksamkeit wurde zum einen in einer „Immunobridging“-Analyse durch den Vergleich der Immun­antwort bei den Kindern mit der Immunantwort von 16 bis 25-Jährigen in einer früheren Studie durchge­führt. Die erzielten neutralisierenden Antikörpertiter waren nach Angaben des Herstellers vergleichbar. Weitere Tests zeigten, dass auch die derzeit dominierende Delta-Variante von den durch die Impfung erzeugten Antikörpern neutralisiert wurde.

Bisher ist es unter den geimpften Kindern zu 3 COVID-19-Erkrankungen gekommen gegenüber 16 Fällen in der Placebogruppe. Unter Berücksichtigung der 2:1-Randomisierung von Impfstoff zu Placebo ermittelt der Hersteller eine klinische Impfstoffwirksamkeit von 90,7 %, die aufgrund der geringen Fallzahl aber noch mit einem weiten 95-%-Konfidenzintervall von 67,7 % bis 98,3 % verbunden ist.

Auch bei der Verträglichkeit gab es keine unangenehmen Überraschungen. Die häufigsten Nebenwir­kungen waren Schmerzen an der Injektionsstelle (71 %), Müdigkeit (39,4 %) und Kopfschmerzen (28 %). Die Reaktionen waren in der Regel leicht bis mittelschwer und auf die ersten Tage nach der Impfung beschränkt. Die häufigste unerwartete Reaktion war eine Lymphadenopathie mit einer Häufigkeit von 0,9 %. Überempfindlichkeitsreaktionen traten bei 0,92 % auf gegenüber 0,53 % in der Placebogruppe. Ana­phylaxien wurden nicht beobachtet.

Es wurden keine Fälle einer Myokarditis/Perikarditis berichtet. Dies war auch nicht zu erwarten, da diese Komplikationen sehr selten sind. Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) schätzen die Inzidenz für die Altersgruppe 16 bis 17 Jahre derzeit auf 71,5 Fälle pro Mio. verabreichten 2. Impfdosen. Im Alter von 12 bis 15 Jahren betrug die Inzidenz nur 42,6 Fälle pro Mio. 2. Impfdosen.

Die FDA hat eine quantitative Nutzen-Risiko-Analyse durchgeführt. Prämissen waren eine Häufigkeit der Myokarditis/Perikarditis wie in der Altersgruppe der 12- bis 15- Jährigen und eine niedrige Inzidenz von COVID-19 (wie im Juni 2021). Unter diesen Voraussetzungen könnte es laut FDA zu mehr Hospitalisie­rungen an einer Myokarditis/Perikarditis kommen als Hospitalisierungen durch COVID-19 vermieden würden.

Da die Kinder die Myokarditis/Perikarditis jedoch in der Regel schadlos überstehen, wäre der Nutzen der Impfung auch in diesem Fall größer als die Risiken. Die FDA geht deshalb von einer positiven Nutzen-Risiko-Bilanz aus, die ein zentrales Argument für eine Zulassung von BNT162b2 bei Kindern wäre. Ob die externen Experten dies ebenso sehen wie die FDA, wird sich auf der Gutachtertagung zeigen. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass die FDA im November grünes Licht für eine Ausweitung der Zulassung auf Kinder ab 5 Jahren geben wird.

Mittlerweile hat auch Moderna erste Ergebnisse aus der KidCOVE-Studie vorgestellt, die derzeit Wirk­sam­­keit und Verträglichkeit an Kindern ab 2 Jahren untersucht. Die Kinder erhalten 2 Impfdosen im Ab­stand von 28 Tagen, die entweder 50-µg mRNA-1273 (die Hälfte der Dosis für Erwachsene) oder Place­bo erhalten.

In einer Kohorte von 4.753 Teilnehmern im Alter von 6 bis unter 12 Jahren wurden laut Hersteller höhere Titer erzielt als bei jungen Erwachsenen (in der Phase-3-Studie COVE). Das geometrische Mittelwert­verhältnis betrug 1,5 (1,3 bis 1,8). Die Seroreaktionsrate war mit 99,3 % um 0,6 % höher als bei den Erwachsenen.

Da auch in der KidCOVE-Studie keine bedenklichen Nebenwirkungen auftraten, dürfte Spikewax schon bald nach Comirnaty zugelassen werden.


/New Africa, stock.adobe.com

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