SARS-CoV-2: Langzeitantikörper schützen vor Erkrankung

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 20. August 2021


Eine Kombination aus 2 monoklonalen Antikörpern, die von B-Zellen eines COVID-19-Patienten stammen und deren Halbwertzeit durch chemische Modifikationen verlängert wurde, haben in einer Phase-3-Studie gesunde Probanden über ein Jahr lang vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 ge­schützt. Die Ergebnisse, die noch nicht publiziert sind, wurden vom Hersteller in einer Pressemitteilung bekanntgegeben.

Eine Impfung bietet derzeit am ehesten die Gewähr, im Fall einer Infektion mit SARS-CoV-2 nicht an COVID-19 zu erkranken. Die Impfung erzielt jedoch nicht bei allen Personen eine Antikörperantwort.

Vor allem Menschen mit Abwehrschwächen oder solchen, die immunsupprimierende Medikamente einnehmen, erreichen häufig keinen ausreichenden Schutz. Diesen Personen könnte in Zukunft mit der intramuskulären Injektion von 2 Antikörpern geholfen werden, die im letzten Jahr im Blut einer von COVID-19 genesenen Person entdeckt wurden.

Forscher des Vanderbilt Vaccine Center in Nashville hatten im Blut des Patienten auch die B-Zellen gefunden, die die Antikörper produzieren, und das Gen für den Antikörper isoliert, so dass die Antikörper jetzt in rekombinanten Zellen in beliebiger Menge hergestellt werden können.

Der Hersteller Astrazeneca hat die Lizenz für die Produktion erworben. Um sie besser zur Prävention einsetzen zu können, ließ er die Antikörper modifizieren. Zum einen wurde die Halbwertzeit verdreifacht, wodurch eine einmalige Injektion einen Schutz über bis zu 12 Monate bieten könnte. Eine zweite Mo­difikation soll verhindern, dass es nach der Behandlung von Personen, die schon einmal mit SARS-CoV-2 infiziert waren, zur Bildung von infektionsverstärkenden Antikörpern kommt.

Der Hersteller lässt die Kombination AZD7442 der beiden Langzeit-Antikörper Tixagevimab (AZD8895) und Cilgavimab (AZD1061) derzeit an mehr als 9.000 Personen auf seine Fähigkeit hin untersuchen, Infektionen mit SARS-CoV-2 zu verhindern oder zu behandeln. Die Studie PROVENT zur Prävention von SARS-CoV-2 ist mittlerweile abgeschlossen.

An 87 Zentren in den USA, Großbritannien, Spanien, Frankreich und Belgien hatten 5.197 Personen, die nicht mit SARS-CoV-2 infiziert waren, eine intramuskuläre Injektion erhalten, die bei 3.460 Teilnehmern 300 mg AZD7442 und bei den übrigen 1.737 Teilnehmern ein Placebo enthielt. Etwa 43 % der Teilnehmer waren 60 Jahre und älter.

Mehr als 75 % hatten Vorerkrankungen wie Diabetes, Adipositas, Herzerkrankungen, chronisch obstruk­tive Lungenerkrankungen, chronische Nieren- und chronische Lebererkrankungen. Oder sie litten unter Abwehrschwächen oder mussten immunsupprimierende Medikamente einnehmen, die häufig eine ausreichende Antikörper-Antwort auf eine Impfung verhindern.

Der primäre Wirksamkeitsendpunkt war das Auftreten einer bestätigten SARS-CoV-2-Infektion bis zum Tag 183 nach der Behandlung. Nach den vom Hersteller mitgeteilten Ergebnissen verhinderte die intra­muskuläre Injektion die meisten Infektionen und alle schweren Fälle von COVID-19. Die Schutzwirkung vor einer Infektion betrug 77 % mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 46 % bis 90 %.

In der Studie traten 25 Fälle einer symptomatischen COVID-19 auf. Von den mit AZD7442 behandelten Personen soll keine schwer an COVID-19 erkrankt oder daran gestorben sein. Im Placeboarm soll es zu 3 schweren Fällen von COVID-19 gekommen sein, von denen 2 tödlich endeten.

Erste „In-vitro“-Ergebnisse an der Universität Oxford und der Columbia University in New York haben laut Hersteller gezeigt, dass AZD7442 auch die Virusvarianten von SARS-CoV-2 einschließlich der Delta-Variante neutralisiert.

Astrazeneca kündigt aufgrund der Ergebnisse der PROVENT-Studie und einer weiteren Studie (STORM CHASER) an, eine Notfallgenehmigung zu beantragen. Die vollständigen Ergebnisse von PROVENT sollen demnächst in einer Fachzeitschrift publiziert und auf einer medizinischen Tagung vorgestellt werden. © rme/aerzteblatt.de



1 Ansicht0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen