SARS-CoV-2: Inhalativer Impfstoff erzielt in Phase-1-Studie gute Antikörperantwort

Deutsches Ärzteblatt vom Mittwoch, 28. Juli 2021

Der Impfstoff eines chinesischen Herstellers hat nach einer inhalativen Anwendung in einer Phase-1-Studie eine gute immunologische Wirkung erzielt. Nach den in Lancet Infectious Diseases (2021: DOI: 10.1016/S1473-3099(21)00396-0) vorgestellten Ergebnissen käme die Inhalation vor allem als Booster nach einer 1. intramuskulären Gabe infrage.

Ein Impfstoff, der per Inhalation oder besser noch als Nasenspray verabreicht wird, könnte bei vielen Menschen die Vorbehalte gegen eine Coronaimpfung überwinden. Bei Infektionskrankheiten könnte der Aufbau eines Schleimhautschutzes durch IgA-Antikörper die Schutzwirkung verbessern. Hinzu kommt, dass viele Vektor-basierte Impfstoffe für eine lokale Applikation prädestiniert wären, da als Vektor in der Regel Adenoviren benutzt werden, deren natürliche Vertreter die Epithelzellen der Schleimhäute infi­zieren. Dennoch gibt es nur wenige Impfstoffkandidaten für eine intranasale Anwendung.

Wie Fran Lund und Troy Randall von der Universität von Birmingham/Alabama kürzlich in Science (2021; DOI: 10.1126/science.abg9857) beklagten, gibt es derzeit gerade einmal 7 Kandidaten für die intranasale Anwendung. Zu keinem liegen bisher klinische Ergebnisse vor.

Im Prinzip könnten auch die bereits für die intramuskuläre Impfung zugelassenen Vektor-basierten Impf­stoffe über die Atemwege eingesetzt werden. Der chinesische Hersteller CanSino Biologics hat dies jetzt für seine in China zugelassene Vakzine Ad5-nCoV untersuchen lassen. Der Impfstoff besteht aus einem zur Replikation unfähigen Adenovirus vom Typ 5, das mit dem Gen für das Spikeprotein von SARS-CoV-2 beladen ist.

Der Impfstoff wurde an der Zhongnan-Klinik der Universität Wuhan in einer Phase-1-Studie an 130 gesunden Erwachsenen erprobt. Die Teilnehmer wurden auf 5 Gruppen randomisiert, von denen 2 Grup­pen beide Dosen des Impfstoffs als Aerosol mit einem Inhalator einatmeten. Die beiden Gruppen unter­schieden sich in der Dosierung. 2 weitere Gruppen erhielten die Impfstoffe wie vorgesehen als intra­muskuläre Injektion. In der 5. Gruppe wurde die 1. Dosis als Injektion und die 2. Dosis per Inhalation gegeben.

Wie das Team um Xinghuan Wang von der Zhongnan-Klinik berichtet, wurde die 1. Dosis nach der Inha­lation besser vertragen. Systemische Nebenwirkungen wie Fieber, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen traten deutlich seltener auf. Nach der 2. Anwendung waren die Unterschiede geringer.

Bei der Antikörperreaktion fiel auf, dass die Konzentration der IgG-Antikörper im Blut nach der inhala­tiven Anwendung geringer war, in den Neutralisationstests war dagegen kein Nachteil erkennbar. Die mit Abstand stärkste neutralisierende Wirkung wurde nach der gemischten Anwendung erreicht. Die Titer der neutralisierenden Antikörper waren doppelt so hoch wie in den anderen Gruppen. Auch bei den IgG-Antikörpern war ein Vorteil erkennbar.

Allerdings haben die Forscher die Auswirkungen auf die IgA-Antikörper nicht untersuchen können. Dies ist technisch schwierig, da die IgA-Antikörper nur per Atemwegslavage in größerer Menge gewonnen wer­den können, was Studienteilnehmern kaum zuzumuten ist. Die chinesischen Mediziner haben dem Her­stel­ler geraten, die inhalative Impfung in weiteren klinischen Studien zu untersuchen. © rme/aerzteblatt.de


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