SARS-CoV-2: Impfung von Schwangeren und Stillenden schützt auch Fetus und Neugeborenes

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 26. März 2021

Eine Impfung gegen SARS-CoV-2 in der Schwangerschaft schützt möglicherweise nicht nur Schwangere vor COVID-19. Eine Beobachtungsstudie im American Journal of Obstetrics & Gynecology (2021; DOI: 10.1016/j.ajog.2021.03.023) zeigt, dass die protektiven Antikörper auch in der Nabelschnur und in der Muttermilch nachweisbar sind.

Schwangere werden in der Regel von Zulassungsstudien ausgeschlossen. So ist derzeit unklar, ob die Impfung bei ihnen sicher und effektiv ist. Ein interessanter Aspekt ist die mögliche Protektion des Kindes. Diese kann vor der Geburt über die Plazenta erfolgen, die für IgG-Antikörper passierbar ist.

Nach der Geburt können die Mütter ihre Kinder durch das Stillen schützen, da die Darmschleimhaut bei Säuglingen noch durchlässig für Antikörper ist. Dadurch wird im Allgemeinen eine vulnerable Phase in den ersten Lebensmonaten überbrückt, in denen die Immunabwehr der Säuglinge noch schwach ist.

In Ermangelung einer sicheren Evidenz hat ein Team um die Immunologie Galit Alter vom Ragon Institute in Boston die Immunantwort von 131 Frauen im gebärfähigen Alter untersucht: 84 waren schwanger und 31 in der Stillperiode. Die übrigen 16 Frauen bildeten die Kontrollgruppe.

Die Frauen erhielten die vorgesehenen beiden Dosen der zugelassenen mRNA-Vakzinen von Biontech/­Pfi­zer und Moderna. Die Schwangeren wurden im Durchschnitt in der 23. Gestationswoche das erste Mal geimpft: 11 Frauen waren noch im ersten Trimenon, 39 Frauen im 2. Trimenon und 34 Frauen im dritten Trimenon.

Die Antikörper-Antwort wurde einmal bei der 2. Dosis und ein 2. Mal 2 bis 6 Wochen später untersucht. Bei der Geburt wurde im Nabelschnurblut und nach der Geburt in der Muttermilch nach Antikörpern gesucht. Dabei wurde nicht nur der Antikörper-Titer bestimmt, sondern auch die Fähigkeit des Serums, Pseudoviren von der Infektion von Zellkulturen abzuhalten, was ein relativ aufwändiger Funktionstest der Antikörper ist.

Laut Alter wurden im Blut der Schwangeren und der stillenden Frauen gleich hohe Titer der IgG-Anti­körper gefunden wie in der Kontrollgruppe der nicht-schwangeren Frauen. Die Titer der IgA— und IgM-Antikörper waren etwas geringer, was aber den Schutz der Feten nicht beeinträchtigen kann, da nur die IgG-Antikörper plazentagängig sind.

Die IgG-Antikörper wurden denn auch – in leicht verminderter Konzentration im Nabelschnurblut ge­funden. Dort war auch die Fähigkeit der Antikörper, die Viren im Labortest zu neutralisieren, nur leicht abgeschwächt. Die Unterschiede waren nicht signifikant, so dass Alter davon ausgeht, dass die Kinder im Mutterleib vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 geschützt sind.

Nach der Geburt könnten sie über die Antikörper in der Muttermilch vor einer Erkrankung bewahrt wer­den, wobei die Forscher allerdings nicht untersucht haben, ob die Antikörper auch über den Darm ins Blut der Säuglinge gelangt sind.

Insgesamt gehen die US-Forscher davon aus, dass eine Impfung von Schwangeren sicher und effektiv ist, wie dies auch für die Grippe-Impfung gezeigt werden konnte. Inzwischen lassen die Hersteller, ihre Vak­zinen gezielt bei Schwangeren testen. Biontech/Pfizer hat im Februar eine klinische Studie begonnen, an der 4.000 Schwangere teilnehmen sollen. © rme/aerzteblatt.de


/Marina Demidiuk,stock.adobe.com

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