SARS-CoV-2: Impfstoffe zeigen nur leicht abgeschwächte Wirkung gegen Virusvariante aus Brasilien

Deutsches Ärzteblatt vom 22.03.2021

Die Impfstoffe BNT162b2 von Biontech und AZD1222 von Astrazeneca könnten eine abge­schwächte Schutzwirkung gegen die Linie P.1 von SARS-CoV-2 haben, die für die stark steigenden Infek­tionszahlen in Brasilien verantwortlich gemacht wird. Der Wirkungsverlust war laut laborexperi­mentell­en Studien in bioRxiv (2021; DOI: 10.1101/2021.03.12.435194) jedoch geringer als bei der südafrikani­schen Variante B.1.351. Außerdem könnte ein noch nicht zugelassener monoklonaler Antikörper das bra­silianische Virus aufhalten.

Die Linie P.1 und die Variante B.1.351 verfügen über 3 (fast) identische Mutationen (E484K, K417N/T and N501Y) an der Bindungsstelle des S-Proteins. Dies könnte einmal die Infektiosität erhöhen, weil das Vi­rus besser an den ACE-2-Rezeptoren bindet und damit leichter in die Zellen eindringt. Es könnte zusätz­lich die Wirkung der Antikörper herabsetzen, die durch eine Impfung erzeugt werden und die eine schwe­re Erkrankung verhindern sollen.

Die Laborbefunde, die ein Team um Andrew Pollard von der Universität Oxford jetzt vorstellen, zeigen, dass die Infektiosität der Linie P.1 tatsächlich erhöht ist. Die Bindung an die ACE-2-Rezeptoren könnte sogar noch etwas stärker sein als bei der Variante B.1.351.

Bei der Schutzwirkung durch die Impfung gab es jedoch überraschende Unterschiede. Die Seren von Pa­tienten, die mit BNT162b2 oder AZD1222 geimpft waren, zeigten in den Neutralisationstests zwar eine um den Faktor 3 abgeschwächte Wirkung gegen die Linie P.1. Sie erzielten damit aber noch ein gleich starke Schutzwirkung wie gegen die britische Variante B.1.1.7.

Die Schutzwirkung gegen die südafrikanische Variante B.1.351 war dagegen um den Faktor 7,6 (BNT162­b2) und 9 (AZD1222) abgeschwächt. Pollard führt dies auf die unterschiedlichen Mutationen der Linie P.1 und der Variante B.1.351 außerhalb der Rezeptorbindungsstelle zurück.

Die Ergebnisse könnten bedeuten, dass die beiden Impfstoffe im Fall einer globalen Ausbreitung der Linie P.1 – mit der aufgrund der hohen Infektiosität zu rechnen ist – weiter wirksam blieben.

Die Forscher haben außerdem untersucht, welche monoklonalen Antikörper gegen die Linie P.1 wirksam wären. Die in den USA zugelassenen Präparate von Lilly und Regeneron könnten nach den Laborbe­fun­den ihre Wirksamkeit verloren haben. Der noch nicht zugelassene Antikörper „222“ könnte jedoch weiterhin wirksam sein. © rme/aerzteblatt.de


/Sasa Kadrijevic, stock.adobe.com

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