SARS-CoV-2: Forscher finden in Lymphknoten Hinweise auf langfristigen Impfschutz

Deutsches Ärzteblatt vom Mittwoch, 30. Juni 2021

Niemand kann derzeit vorhersagen, wie lange die Schutzwirkung einer Impfung gegen COVID-19 anhält. Die Untersuchung von Lymphknoten in Nature (2021; DOI: 10.1038/s41586-021-03738-2) zeigt jedoch, dass das Immunsystem Monate nach der Impfung auf eine mögliche Infek­tion vorbereitet ist.

Die Coronaepidemie hat mRNA-Impfstoffen zum Durchbruch verholfen. Bei der Impfung wird die Boten-RNA für das S-Protein von SARS-CoV-2 in den Muskel injiziert. Die Zellen nehmen die Gene auf und stellen daraus das S-Protein her, das der eigentliche Impfstoff ist.

In den letzten Monaten wurden weltweit mehrere hundert Millionen Menschen mit den mRNA-Impf­stoffen von Biontech/Pfizer und Moderna geimpft (hinzu kommen weitere Million, die Vektor-basierte Impfstoffe von Astrazeneca und Janssen erhalten haben, die im Prinzip auf die gleiche Weise funktio­nieren).

Derzeit wird gehofft, dass die hohe Immunogenität und die Schutzwirkung von längerer Dauer sein werden. Die Untersuchungen der letzten Wochen haben jedoch gezeigt, dass die Antikörpertiter langsam fallen.

Für Ali Ellebedy von der Washington University School of Medicine in St. Louis spricht dies nicht gegen eine längere Schutzwirkung. Entscheidend sei, so der Immunologe und Pathologe, ob das Immunsystem ein immunologisches Gedächtnis aufbaut, das im Fall einer Infektion eine schnelle Reaktion mit der Bildung von Antikörpern und T-Zellen erlaubt.

Kürzlich konnte Ellebedy nachweisen, dass das Knochenmark langfristige B-Gedächtniszellen bildet, die im Fall einer Infektion rasch die Produktion neuer Antikörper veranlassen.

In der aktuellen Studie haben Ellebedy und Mitarbeiter die Lymphknoten von 14 Personen untersucht, die den Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer erhalten hatten. Die Forscher spürten zunächst in der Achselhöhle mittels Dopplerultraschall die Lymphknoten auf, die zum Drainagegebiet des Deltamuskels gehören, in den der Impfstoff injiziert wird. Dort wurde dann per Feinnadelbiopsie eine Gewebeprobe entnommen und im Labor unter die Lupe genommen.

Das Ziel der Untersuchung war der Nachweis von sogenannten Keimzentren, in denen nach einem Anti­gen­kontakt die Immunabwehr orchestriert wird. Tatsächlich wurden bei allen Patienten Keimzentren in den Lymphknoten gesichtet. Dort fanden die Forscher B-Zellen, die das S-Protein von SARS-CoV-2 erken­nen, was die Voraussetzung für eine Antikörperproduktion ist.

Die Forscher haben auch herausgefunden, an welchen Stellen auf dem S-Protein die Antikörper binden. Von 37 identifizierten Antikörpern erkannten 17 die Rezeptorbindungsstelle und 6 die N-terminale Do­mä­ne (die Spitze des S-Proteins). Diese neutralisierenden Antikörper sind in der Regel in der Lage, die Viren von der Infektion weiterer Zellen abzuhalten. 3 Antikörper erkannten auch das Betacoronavirus OC43 und 2 von diesen auch das Betacoronavirus HKUI. Beide gehören zu den saisonalen Erkältungs­viren. Eine Impfung mit Comirnaty, die diese Antikörper bildet, könnte die Geimpften im Prinzip auch vor bestimmten banalen Erkältungen schützen. OC43 und HKUI gehören zu den zahlreichen Erkältungsviren.

In den Lymphknoten wurden auch die Plasmablasten gefunden, die in der Frühphase einer Infektion die Antikörper gegen die Krankheitserreger produzieren. Diese Zellen sind bei einer akuten Infektion (oder direkt nach einer Impfung) auch im Blut nachweisbar, verschwinden dort aber später wieder.

Dass die Plasmablasten 5, 7 und 15 Wochen nach der Impfung noch in den Lymphknoten vorhanden waren, wertet Ellebedy als Hinweis auf eine länger dauernde Immunität. Dafür spreche auch, dass die Keimzentren in den Lymphknoten in dieser Zeit noch erkennbar waren.

Die Impfung mit Comirnaty könnte demnach eine nachhaltige Immunität aufgebaut haben, die später im Fall einer Infektion eine rasche Reaktion des Immunsystems ermöglicht. Belegen lässt sich dies allein anhand der histologischen Befunde jedoch nicht. © rme/aerzteblatt.de


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