SARS-CoV-2: Forscher drängen auf höhere Impfquote bei über 60-Jährigen

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 30. Juli 2021

Menschen über 60 Jahren gehören zur Risikogruppe von COVID-19. Auf sie richtet sich in vielen Ländern weltweit daher ein wichtiges Augenmerk der Impfkampagnen. Ein Vergleich zwischen Deutsch­land, Israel, England und Schottland in Bezug auf die vollständig Geimpften zeigt, dass hierzulande noch viel Luft nach oben ist.

Den Ländervergleich unternahmen Forscher des Science Media Centers Deutschlands (SMC) in einem Extra-Report. Hintergrund ist den Fachleuten zufolge die Einschätzbarkeit der Infektionslage und dabei spiele die „Gesamtimpfquote eine wichtige Rolle“, heißt es. Je höher der Anteil an Geimpften unter Kontakten, die aufeinandertreffen würden, desto schlechter ver­breite sich das Virus in der Bevölkerung. Bei geringem Infektionsgeschehen seien auch die Krankenhäu­ser weniger belastet.

Wenn die Frage im Raum steht, welche Inzidenz sich ein Land zukünftig erlauben kann, ohne das Ge­sundheitssystem zu überlasten, spielt dem SMC zufolge zusätzlich auch die Altersstruktur in der Bevölke­rung eine ent­scheidende Rolle.

„Je älter eine Bevölkerung ist, desto höher ist der Anteil an Personen mit einem Risiko für schwere CO­VID-19-Erkrankungen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen“, schreiben die Wissenschaftler.

Bei dieser Frage sei es also ebenfalls wichtig, wer geimpft worden sei, nicht nur wie viele Personen. „Bei gleicher Gesamtimpfquote und gleicher Inzidenz sorgt eine niedrigere Impfquote in den höheren Alters­gruppen für eine höhere Hospitalisierungsrate.“

Der Report weist auf UN-Daten hin, wonach die Voraussetzungen in Deutschland im Ländervergleich ungünstig sind. So habe Deutschland mit 45,7 das fünfthöchste Median-Alter der Welt. Dies führe dazu, dass in Deutschland ein besonders hoher Anteil der Bevölkerung zur Risikogruppe für COVID-19 gehöre. Gleichzeitig sei gerade die Impfquote in den oberen Altersgruppen niedriger als im Vereinigten König­reich (Medianalter 40,5) und Israel (Medianalter 30,5). „In Deutschland liegt die Impfquote in der Bevölkerung ab 60 Jahren mit 78,1 Prozent immer noch sehr niedrig. In diesen Altersklassen muss die Impfquote dringend erhöht werden, damit auch bei einer hohen Inzidenz das Gesundheitssystem möglichst entlastet wird“, empfehlen die Wissenschaftler.

Zum Vergleich: In Schottland sind laut SMC besonders in den oberen Altersklassen sehr hohe Impfquoten erreicht worden. In der Bevölkerung ab 60 Jahren seien 97,6 Prozent der Menschen geimpft, bei den 18 bis 59-Jährigen seien es 57,4 Prozent. In Israel sind 89,5 Prozent der Menschen über 60 Jahre geimpft, bei den 18 bis 59-Jährigen sind es 78,1 Prozent.

Die Impfquote bei den unter 60-Jährigen in England ist laut Report mit der in Deutschland vergleichbar. In den oberen Altersgruppen liege die Quote in England allerdings deutlich höher, so der SMC-Bericht. In der Bevölkerung ab 60 Jahren seien 91,5 Prozent der Menschen geimpft, bei den 18 bis 59-Jährigen seien es 51,7 Prozent. © may/aerzteblatt.de


1 Ansicht0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen