SARS-CoV-2: Durchbruch­infektionen mit Delta-Variante haben in den ersten Tagen hohe Viruslast

Deutsches Ärzteblatt vom Montag, 9. August 2021

Patienten, die sich trotz doppelter Impfung mit der Delta-Variante von SARS-CoV-2 infizieren, haben in den ersten Tagen der Erkrankung vermutlich eine ähnlich hohe Viruslast wie ungeimpfte Perso­nen mit COVID-19. Dies geht aus den jüngsten Zahlen von Public Health England (PHE) hervor. Eine Stu­die aus Singapur zeigt jedoch, dass die Viruslast bei einer Durchbruchinfektion mit der Delta-Variante nach einigen Tagen rasch zurückgeht.

In England war die Delta-Variante in der letzten Juliwoche für 99 % der sequenzierten und 98 % der genotypisierten Fälle verantwortlich. Die gute Nachricht daran ist, dass es derzeit keine weitere Variante gibt, die sich noch schneller ausbreitet, obwohl das Virus munter weiter mutiert, wie die im „Technical briefing 20“ von Public Health England vorgestellten Daten zeigen.

Irritierend ist allerdings, dass die Ct-Werte, die ein Marker für die Viruslast im Abstrich und damit für die Infektiosität sind, bei einer Durchbruchinfektion mit der Delta-Variante ebenso niedrig sind wie bei einer Infektion einer ungeimpften Person. Der Ct-Wert gibt an, wie viele Zyklen bei der Polymeraseketten­reak­tion (PCR) bis zum Nachweis des gesuchten Virusgens notwendig sind. Bei einer hohen Viruslast ist dies früher, also bei einem niedrigen Ct-Wert der Fall.

Bei der Alpha-Variante war dies anders gewesen. Doppelt Geimpfte hatten bei einer Durchbruchinfektion einen hohen Ct-Wert und waren damit nicht so ansteckend. Bei der Delta-Variante sind Menschen bei einer Durchbruchinfektion zumindest in den ersten Tagen hoch ansteckend.

Eine Studie, die ein Team um Barnaby Edward Young vom National Centre for Infectious Diseases in Singapur Ende Juli in medRxiv (2021: DOI: 10.1101/2021.07.28.21261295) vorveröffentlicht hat, lässt allerdings hoffen, dass der Ct-Wert nach den ersten Tagen einer Durchbruchinfektion schneller zurück­geht als bei einer Infektion von nicht geimpften Personen.

In Großbritannien entfallen bereits 34,9 % aller Hospitalisierungen auf vollständig geimpfte Personen. Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Impfung ihre Wirksamkeit verloren hat, wie Peter Openshaw vom Imperial College London noch einmal gegenüber dem Science Media Centre erläuterte. Wenn die Impfung nicht funktionieren würde, wäre der Anteil der Durchbruchinfektionen genauso hoch wie der Anteil der doppelt geimpften Personen.

Derzeit sind in England 75 % der Erwachsenen durchgeimpft. Die Tatsache, dass nur 34,9 % der wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelten Patienten vollständig geimpft sind, bedeute, dass die Impfstoffe auch gegen die Delta-Variante wirken. Bei einer Wirkungslosigkeit müsste der Anteil unter den Klinik­patienten ebenfalls bei 75 % liegen.

Wenn die Impfquote 100 % erreichen sollte, würde es im Prinzip nur noch Durchbruchinfektionen geben, da es keine umgeimpften Menschen mehr gäbe, die sich infizieren könnten. Wichtig für die Beurteilung der Epidemie ist nicht der Anteil der Geimpften an den Erkrankungen sondern die Gesamtzahl der schwe­ren Erkrankungen und der Todesfälle. Hier hat sich die Lage in England zuletzt etwas entspannt, auch wenn die Zahlen weiterhin deutlich höher sind als in Deutschland. © rme/aerzteblatt.de


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