SARS-CoV-2: CDC rät Schwangeren dringend zur Impfung

Deutsches Ärzteblatt vom Donnerstag, 12. August 2021

Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) empfehlen schwangeren und stillenden Frauen dringend, sich gegen SARS-CoV-2 impfen zu lassen. Mitarbeiter der US-Behörde hatten in einer Analyse des Registers „v-safe pregnancy“ keinen Anstieg von Fehlgeburten bei geimpften Frauen gefun­den.

Hintergrund ist die steigende Zahl von Infektionen mit der Delta-Variante bei jüngeren Menschen und damit auch bei Schwangeren, von denen sich bisher nur wenige haben impfen lassen. Eine Infektion mit SARS-CoV-2 wird dagegen als Risiko für die Schwangerschaft eingestuft.

Die CDC haben zu Beginn der Impfkampagne die App „v-safe“ für Smartphones veröffentlicht, in der Geimpfte Rückmeldungen über mögliche Impfkomplikationen geben können. Die App fragt auch nach einer Schwangerschaft. In diesem Fall werden die Nutzerinnen telefonisch kontaktiert und zur Teil­nahme an „v-safe pregnancy“ eingeladen.

Bis Mitte Juli hatten sich etwa 5.000 Schwangere registriert, darunter waren 2.456 Frauen, die im Zeit­raum unmittelbar vor der Befruchtung (bis 30 Tage vor der letzten Menses) bis zur 20. Woche gegen COVID-19 geimpft wurden (zugelassen waren damals nur die beiden mRNA-Impfstoffe). In dieser Gruppe kam es nach der Impfung bei 14,1 % zwischen der 6. und 19. Woche zu einer spontanen Fehlgeburt.

Da nicht alle Schwangeren kontaktiert werden konnten, könnte die Rate im ungünstigsten Fall bei 16,7 % gelegen haben. Da das Alter der Schwangeren über dem Landesdurchschnitt lag, könnten es alters­bereinigt auch nur 12,8 % gewesen sein. Teilgenommen hatten übrigens zu 89 % Beschäftigte im Gesund­heitswesen, die bevorzugt geimpft werden.

Der Anteil der spontanen Fehlgeburten liegt laut CDC nicht über der normalen Rate von 11 % bis 16 % in Ländern mit einem höheren Einkommen. Aus diesem Grund sieht das Team um Sascha Ellington von den CDC in Atlanta keinen Anlass, an der Sicherheit der SARS-CoV-2-Impfung für schwangere Frauen zu zwei­feln, zumal es auch „keine zwingenden biologischen Gründe“ für die Annahme gebe, dass die Impf­ung der Schwangeren oder ihrem Kind schaden könnte.

Erste Ergebnisse der Analyse waren bereits im Juni im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.21203/rs.3.rs-798175/v1) veröffentlicht worden.

Schon im November hatten die CDC darauf hingewiesen, dass eine Infektion mit SARS-CoV-2 in der Schwan­­gerschaft häufiger zu Komplikationen führt als bei gleichaltrigen nicht schwangeren Frauen (wie dies auch für die Influenza bekannt ist). Schwangere müssen häufiger auf Intensivstation behandelt und beatmet werden. Das Sterberisiko ist erhöht, auch wenn Todesfälle mit einer Rate von 1,5 auf 1.000 Schwan­gere absolut gesehen sehr selten sind.

Das „American College of Obstetricians and Gynecologists“ rät deshalb Schwangeren schon seit einiger Zeit, sich gegen SARS-CoV-2 impfen zu lassen. In Deutschland haben sich die gynäkologischen und repro­­duktionsmedizinischen Fachverbände wiederholt für eine Impfung ausgesprochen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt eine Impfung in der Schwangerschaft derzeit nicht und begründet dies mit den fehlenden klinischen Daten. Von den Zulas­sungsstudien für Impfstoffe waren Schwangere ausgeschlossen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich im Juni für die Impfung von Schwangeren ausgespro­chen, wenn die Vorteile größer sind als die potenziellen Risiken. Dies sei beispielsweise bei Schwan­geren mit hohem Risiko einer COVID-19-Exposition der Fall oder wenn die Schwangeren aufgrund von Begleiterkrankungen ein hohes Risiko auf einen schweren Verlauf von COVID-19 haben. © rme/aerzteblatt.de


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