SARS-CoV-2: Bluttest könnte drohende Durchbruchinfektion erkennen

Deutsches Ärzteblatt vom Montag, 11.7.2022


Niedrige Antikörpertiter und eine schwache neutralisierende Wirkung in einem Labortest waren bei geboosterten Angestellten einer Universitätsklinik mit einem 10-fach erhöhten Risiko auf eine Durchbruchinfektion verbunden. Die in den Frontiers in Immunology (2022; DOI: 10.3389/fimmu.2022.907343) vorgestellten Ergebnisse könnten zur Entwicklung eines Tests zur Überprüfung der Impfstoffwirkung genutzt werden.

Ein Kennzeichen der Omikron-Varianten von SARS-CoV-2 ist die hohe Zahl von Durchbruchin­fektionen. Von 1.391 Angestellten des Universitätsklinikums Essen haben sich zu Beginn der Omikronwelle trotz 3-facher Impfung bis Anfang März insgesamt 102 (7,2 %) mit SARS-CoV-2 infiziert.

Bei allen verlief die Erkrankung relativ milde mit erkältungsähnlichen Symptomen wie Rhinitis, Halsschmerzen, Kopfschmerzen oder Husten und Müdigkeit. COVID-19-Symptome wie Fieber, Dyspnoe oder Geruchsverlust waren selten. Kein Patient musste hospitalisiert werden. Jeder 10. blieb völlig asymptomatisch. Die Impfung dürfte die Betroffenen vor einem schweren Verlauf geschützt haben.

Warum einige Personen eine Durchbruchinfektion erlitten, andere dagegen gesund blieben, war auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Alter und Geschlecht, Body-Mass-Index, Raucher­status oder Vorerkrankungen waren bei Gesunden und den Patienten mit Durchbruchinfek­tionen gleich.

Deutliche Unterschiede bestanden jedoch in den Antikörpertitern, die im Rahmen einer Studie 1 Monat nach dem Booster und im Fall einer Durchbruchinfektion erneut bestimmt wurden. Diese waren bei den Patienten mit Durchbruchinfektion mit 3.477 BAU/ml deutlich niedriger als bei den nicht Infizierten mit 4.733 BAU/ml.

Wie das Team um Winfried Siffert vom Institut für Pharmakogenetik der Universität Duisburg-Essen berichtet, hatten Angestellte mit einem Antikörpertiter von 2.816 BAU/ml oder weniger ein 2-fach erhöhtes Risiko auf eine Durchbruchinfektion (Odds Ratio 2,12; 95-%-Konfidenzintervall 1,24-3,58).

Ein weiterer Hinweis war eine niedrige neutralisierende Wirkung der Antikörper. Sie wurde in der Studie mit einem Schnelltest bestimmt, der ohne die aufwändige Infektion von Zellkul­turen auskommt und innerhalb von 1 bis 2 Stunden ein Ergebnis liefert. Teilnehmer mit einer Neutralisationsrate von unter 66 % hatten ein mehr als 3-fach erhöhtes Risiko auf eine Durchbruchinfektion (Odds Ratio 3,61; 1,42-9,01).

Teilnehmer mit schwachen Ergebnissen in beiden Tests hatten sogar ein 10-fach erhöhtes Risiko auf eine Durchbruchinfektion (Odds Ratio 10,4; 2,36-47,55). Die weiten Konfidenz­intervalle zeigen, dass die Ergebnisse mit einer gewissen Unsicherheit verbunden sind.

Sie deuten jedoch darauf hin, dass mit den Tests im Anschluss an eine Impfung festgestellt werden könnte, bei welchen Personen nicht die erhoffte Schutzwirkung erzielt wird und eine weitere Auffrischung notwendig werden könnte.



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