SARS-CoV-2: Astrazene­ca-Impfstoff schützt auch vor Erkrankungen durch B.1.1.7

Deutsches Ärzteblatt vom Mittwoch, 31. März 2021

Obwohl die Antikörper, die der Astrazeneca-Impfstoff AZD1222 erzeugt, in einem Laborexperi­ment die Variante B.1.1.7 von SARS-CoV-2 nur abgeschwächt neutralisierten, scheint die Schutzwirkung vor einer Erkrankung an COVID-19 kaum abgeschwächt zu sein. Dies geht aus einer neuen Auswertung der Zulassungsstudie COV002 hervor, die jetzt im Lancet (2021; DOI: 10.1016/S0140-6736(21)00628-0) veröffentlicht wurde.

Die Studie COV002 wurde im vergangenen Jahr in England durchgeführt. Die 2. Dosis erhielten die Teil­nehmer zwischen dem 3. August und dem 30. Dezember. In dieser Zeit hatte sich im Süden des Landes die Variante B.1.1.7 (Kent) bereits ausgebreitet. Da in England bei vielen Erkrankungen die Virusgenome sequenziert werden, konnte Maheshi Ramasamy von der Universität Oxford den Einfluss der Variante auf die Schutzwirkung untersuchen.Von 52 Patienten, bei denen COVID-19 durch B.1.1.7 verursacht wurde, hatten 12 AZD1222 und 40 die Kontrollvakzine (einen Meningitis-Impfstoff) erhalten. Ramasamy ermittelt eine Impfstoffwirksamkeit von 70,4 % mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 43,6 bis 84,5 %. Sie war damit nur wenig schwächer als gegen andere Varianten (81,5 %; 67,9 bis 89,4 %).

Ein Schutz vor asymptomatischen Infektionen war in der Studie nicht sicher nachweisbar. Ramasamy gibt die Effektivität gegen B.1.1.7 mit 28,9 % (-77,1 % bis 71,4 %). Infektionen mit anderen Varianten von SARS-CoV-2 wurden um 69,7 % (33,0 % bis 86,3 %) vermindert.

Die Zahlen sind mit Fragezeichen zu versehen. Endpunkt der Studie waren symptomatische Erkrankun­gen. Nach asymptomatischen Infek­tionen war nicht gezielt gesucht worden, es wurden deshalb nur we­ni­ge Fälle entdeck, was die weiten Konfidenzintervalle erklärt.

Die Ct-Werte waren bei den Teilnehmern, die mit AZD1222 geimpft wurden, höher als in der Kontroll­gruppe (28,8 versus 20,2). Der Ct-Wert gibt die Zahl der PCR-Zyklen bis zum Nachweis der Virusgene an. Ein hoher Ct-Wert zeigt eine geringe Viruslast und damit eine niedrigere Infektiosität an.

Patienten mit symptomatischer Erkrankung hatten übrigens niedrigere Ct-Werte als Personen mit asymptomatischer Infektion. Sie sind deshalb ansteckender. Dies war laut Ramasamy auch in anderen Studien aufgefallen

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass AZD1222 seine Wirkung durch die zahlreichen Mutationen in B.1.1.7 nicht eingebüßt hat, obwohl er deutlich schwächere neutralisierende Antikörper erzeugt, wie die von Rama­samy durchgeführten Labortests zeigen.

Dort war der neutralisierende Titer 8,9-fach geringer (7,2 bis 11,0), was in der Praxis bedeutet, dass deutlich mehr Antikörper benötigt werden, um die Viren von der Infektion und Zerstörung von Zellen abzuhalten.

Worauf die Diskrepanz zwischen Labor und Klinik beruht, ist nicht klar. Experten vermuten, dass die Impfstoffe eine breite Schutzwirkung durch T-Zellen erzielen. Sie könnte eine abgeschwächte Immunität durch die Antikörper der B-Zellen ausgleichen. © rme/aerzteblatt.de


/picture alliance, Peter Endig

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