SARS-CoV-2: Antikörper-Duo kann Hospitalisierung verhindern

Deutsches Ärzteblatt vom Montag, 30. August 2021


Eine frühzeitige Behandlung mit monoklonalen Antikörpern kann Risikopatien­ten bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 häufig vor einer Hospitalisierung bewahren. Eine US-Klinikkette be­richtet in EClinicalMedicine (2021; DOI: 10.1016/j.eclinm.2021.101102) über ihre Erfahrungen mit Casiri­vimab plus Imdevimab.

Monoklonale Antikörper gegen SARS-CoV-2 sind vor allem in der Frühphase einer Infektion hilfreich, wenn der Körper noch keine eigenen Antikörper gebildet hat. Die Infusion sollte deshalb in den ersten 10 Tagen erfolgen. Die Behandlung kommt aus Kostengründen nur für Patienten infrage, die ein erhöhtes Risiko auf einen schweren Verlauf haben.

Die Mayo-Kliniken in den Bundesstaaten Arizona, Florida, Minnesota und Wisconsin haben kurz nach der Zulassung des ersten Präparates das Behandlungsprogramm MATRx („Mayo Clinic Monoclonal Antibody Treatment“) begonnen. Zunächst wurde der Antikörper Bamlanivimab eingesetzt – mit gutem Erfolg.

Wie ein Team um Raymund Razonable von der Mayo Clinic in Rochester/Minnesota kürzlich im Journal of Clinical Investigation (2021; DOI: 10.1172/JCI151697) berichtete, konnte die Häufigkeit von Hospitalisie­run­gen um 40 % bis 60 % gesenkt werden. Eine Monotherapie mit Bamlanivimab wird heute nicht mehr durchgeführt, da die Gefahr einer Resistenz als zu hoch eingeschätzt wird.

Die Klinik verwendet inzwischen eine Kombination aus Casirivimab und Imdevimab. Zwischen dem 4. Dezember 2020 und dem 9. April 2021 wurden 696 Patienten behandelt. Razonable vergleicht die Ergeb­nisse in einer retrospektiven Analyse mit einer gleichen Anzahl von SARS-CoV-2 Patienten, die keine Antikörperbehandlung erhalten hatten.

Ein „propensity score matching“ sollte dabei sicherstellen, dass nur Patienten mit gleichen Eigenschaften gegenübergestellt wurden. Die Evidenz ist geringer als in einer randomisierten Studie (da nicht garan­tiert werden kann, dass Unterschiede übersehen wurden). Die Untersuchung kann jedoch klären, ob sich die Behandlung im klinischen Alltag bewährt. Dies scheint nach den jetzt vorliegenden Erfahrungen der Fall zu sein.

Die Infusion von Casirivimab/Imdevimab erfolgte im Durchschnitt 2,61 Tage nach dem positiven PCR-Test. Alle Patienten wiesen Begleiterkrankungen auf: Am häufigsten waren dies eine Hypertonie (52,4 %), ein Body-Mass-Index über 35 kg/m2 (31,0 %), ein Diabetes mellitus (24,6 %), eine chronische Lungener­krankung (22,1 %), eine chronische Nierenerkrankung (11,4 %), eine chronische Herzinsuffizienz (6,6 %) oder eine geschwächte Immunfunktion (6,7 %).

Endpunkt der Studie war die Häufigkeit von Hospitalisierungen. Wie Razonable berichtet, mussten nach Tag 14 nur 1,3 % der Patienten, die die Infusion mit Casirivimab/Imdevimab erhalten hatten, im Kranken­haus behandelt werden gegenüber 3,3 % der nicht behandelten Gruppe.

An Tag 21 waren es 1,3 % versus 4,2 % und nach 28 Tagen 1,6 % versus 4,8 % der Patienten. Die Infusio­nen von Casirivimab/Imdevimab hatten das Risiko eines Krankenhausaufenthalts um 60 % bis 70 % ge­senkt, wobei die Unterschiede laut Razonable zu allen 3 Zeitpunkten signifikant waren.

Bis zum Tag 28 wurden 5 der mit Casirivimab/Imdevimab behandelten Patienten auf der Intensivstation aufgenommen, verglichen mit 7 in der Kontrollgruppe. In der Casirivimab/Imdevimab-Gruppe starb nur 1 Patient gegenüber 4 in der Kontrollgruppe. Die Fallzahlen waren für eine statistische Auswertung zu niedrig.

Die Verträglichkeit von Casirivimab/Imdevimab war gut: 4 Patienten berichteten über Fieber, 2 über Kurz­atmigkeit und 2 über Übelkeit. Ein Patient klagte über Brustschmerzen, Kopfschmerzen oder Flushing. Alle Nebenwirkungen waren mild. Anaphylaxien traten nicht auf. Razonable ist deshalb mit den Ergeb­nissen der Behandlung zufrieden, auch wenn für eine endgültige Einschätzung weitaus größere Behand­lungszahlen notwendig wären. © rme/aerzteblatt.de


/Leo Altman, stock.adobe.com

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