SARS-CoV-2: Allergische Spätreaktion auf mRNA-Vakzine von Moderna

Deutsches Ärzteblatt vom 4.3.2021

Nach einer Impfung mit der Vakzine mRNA-1273 des Herstellers Moderna kann es an der Einstichstelle nach dem Abklingen einer ersten Lokalreaktion zu einer erneuten Hautreaktion kommen, die Ärzte und Patienten häufig verunsichert.

US-Mediziner deuten die Nebenwirkung im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMc21021318) aufgrund eines histologischen Befundes als Überempfindlichkeitsreaktion vom Typ IV, die in der Regel keine Behandlung erforderlich mache und nicht gegen eine 2. Dosis spreche.

Die Impfung mit mRNA-1273 führt laut der Zulassungsstudie bei 84,2 % zu einer Lokalreaktion mit Rötung, Druckschmerz und Verhärtung und manchmal auch zu einer Schwellung. Sie ist ungefährlich und klingt nach wenigen Tagen ab. Bei einigen Patienten kommt es einige Tage später erneut zu einer umschriebenen Rötung, die häufig größer ausfällt als die Erstreaktion und neben den Schmerzen auch mit einem Juckreiz einhergehen kann. Manchmal kommt es auch zu Allgemeinsymptomen.

Diese verspätete Reaktion trat in der Zulassungsstudie nach der 1. Dosis bei 244 von 30.420 Teilneh­mern (0,8 %) und nach der 2. Dosis bei 68 Teilnehmern (0,2 %) auf. Nach Erfahrung von Kimberly Blumenthal vom Massachusetts General Hospital in Boston sind viele Ärzte und Patienten verunsichert.

Die Allergologin stellt die Impfreaktion an 12 Fallbeispielen vor. Die Hautreaktionen waren 4 bis 11 Tage (median 8 Tage) nach der 1. Dosis aufgetreten, nachdem die anfänglichen lokalen und systemi­schen Symptome im Zusammenhang mit der Impfung vollständig abgeklungen waren. Bei allen Patien­ten kam es zu Rötungen, die diffus oder umschrieben waren, bei einem Patienten sogar ringförmig rand­betont wie bei einer Borreliose. Die Rötungen waren teilweise recht groß. 5 Läsionen wurden wegen eines Durchmessers von mehr als 10 cm als Grad 3 eingestuft.

Die Rötungen gingen teilweise mit einer Schwellung oder Verhärtung einher. 1 Patient entwickelte zusätzlich eine Hautreaktion mit Papeln an Handfläche und Fingern, bei einem anderen kam es zu einer Urtikariareaktion am Ellbogen.

Die Patienten wurden mit Eis oder Antihistaminika behandelt. Einige erhielten auch Glukokortikoide (topisch, oral oder beides). 1 Patient wurde wegen des Verdachts einer Hautinfektion fälschlicherweise mit einem Antibiotikum behandelt.

Die Läsionen hätten sich nach Einschätzung von Blumenthal auch ohne Behandlung zurückgebildet. In den Fallberichten war dies nach 2 bis 11 Tagen (median 6 Tage) der Fall. Alle Patienten erhielten später die 2. Dosis des Impfstoffs. Nur bei jedem 2. kam es dann erneut zu einer Reaktion, die in der Regel milder ausfiel als beim 1. Mal.

Nur bei 3 Patienten sei die Reaktion ähnlich stark ausgeprägt gewesen, schreibt Blumenthal, die die Reaktionen aufgrund einer Biopsie bei einem weiteren Patienten als Überempfindlichkeitsreaktion vom Typ IV einstuft. In der Biopsie war es zu perivaskulären und perifollikulären lymphozytischen Infiltraten mit wenigen Eosinophilen und verstreut mit Mastzellen gekommen.

Die Reaktionen waren nur nach dem Moderna-Impfstoff, nicht aber bei dem gleichzeitig in der Klinik eingesetzten Impfstoff von Biontech/Pfizer aufgetreten. Der Grund ist unklar, da der Auslöser der späten Reaktion nicht bekannt ist. © rme/aerzteblatt.de



/picture alliance, POOL AP, Michael Sohn

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