SARS-CoV-2: 4. Dosis verbessert Schutz vor Omikron nur geringfügig

Deutsches Ärzteblatt vom Donnerstag, 17.3.2022


Eine 4. Dosis mit dem mRNA-Impfstoff BNT162b2 oder mRNA1273 hat in 2 klinischen Studien aus Israel die Antikörpertiter gegen SARS-CoV-2 deutlich ansteigen lassen. Die Schutzwirkung vor Infek­tionen und symptomatischen Erkrankungen mit der Omikron-Variante von SARS-CoV-2 fiel nach den jetzt im New England Journal of Medicine (2022; DOI: 10.1056/NEJMc2202542) veröffentlichten Zahlen je­doch schwächer aus als bei früheren Epidemien.

In Israel, das frühzeitig mit den Impfungen begonnen hatte, liegt bei vielen Menschen mittlerweile auch die 3. Dosis schon mehrere Monate zurück. Das Sheba Medical Center in Tel HaShomer bei Tel Aviv bot deshalb ihren Angestellten 4 Monate später eine 4. Dosis an. Von den 1.050 berechtigten Gesundheits­fachkräften erhielten 154 eine 4. Dosis von BNT162b2, 120 wurden mit mRNA-1273 geboostert.

Schon 1 Woche nach der Auffrischung waren die Antikörpertiter deutlich angestiegen. Nach 3 Wochen lagen sie 9- bis 10-fach höher als vor der Auffrischung. Gemessen am Antikörpertiter war die Wirksamkeit vergleichbar mit der 3. Dosis, berichten Gili Regev‑Yochay vom Sheba Medical Center und Mitarbeiter.

Die Neutralisationstests zeigten jedoch, dass die Wirkung gegen die aktuelle Omikron-Variante deutlich schwächer war als gegen den Wildtyp, für den der Impfstoff konzipiert wurde: 2 Wochen nach der 4. Do­sis lag der neutralisierende Titer von BNT162b2 gegen Omikron bei 136,3 im Vergleich zu 638,3 gegen die Delta-Variante und 1542,0 gegen den Wildtyp. Die Ergebnisse zu mRNA-1273 waren ähnlich.

Dies ließ befürchten, dass auch die klinische Schutzwirkung geringer ausfallen würde. Genau dies war der Fall. In der BNT162b2-Gruppe infizierten sich 18,3 % der Teilnehmer und in der mRNA-1273-Gruppe 20,7 % der Teilnehmer (vermutlich) mit Omikron. In einer (nicht randomisierten, aber in den Eigenschaf­ten ähnlichen) Vergleichsgruppe hatten sich 25,0 % infiziert.

Regev‑Yochay ermittelt eine Impfstoffwirksamkeit gegen eine Infektion von 30 % für BNT162b2 und von 11 % für mRNA-1273, die in beiden Fällen nicht signifikant war. Vor einer Ansteckung hatte die 4. Dosis demnach nicht nachweisbar geschützt. Die Wirksamkeit vor einer symptomatischen Erkrankung fiel mit 43 % für BNT162b2 und 31 % für mRNA-1273 etwas höher aus. Aber auch hier überschnitten sich die 95-%-Konfidenzintervalle, so dass die Studie die Wirksamkeit nicht sicher belegen kann.

Hinzu kommt, dass in den Abstrichen der Infizierten trotz in der Regel milder Symptome eine hohe Virus­last gefunden wurde. Sie könnten deshalb das Virus an ihre Patienten weitergeben, wenn sie zur Arbeit erscheinen sollten.


/WESTOCK, stock.adobe.com

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