Russland meldet höchste Zahl an neuen Coronatodesfällen

Deutsches Ärzteblatt vom Mittwoch, 30. Juni 2021

In Russland sind so viele Coronatodesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet worden wie nie zuvor seit Beginn der Pandemie. Registriert wurden 652 neue Todesfälle und mehr als 20.000 Neuin­fektionen, wie die Behörden gestern mitteilten.

Für den Anstieg machen Experten die hochansteckende Delta-Variante des Coronavirus verantwortlich. Zudem geht die Impfkampagne nur stockend voran, weil viele Russen sich einer Impfung verweigern.

Nicht nur ganz Russland, sondern auch einzelne Städte verzeichneten gestern erneut traurige Höchst­stände. In der Hauptstadt Moskau wurden binnen 24 Stunden 121 Todesfälle durch COVID-19 registriert. In St. Petersburg starben 119 Menschen, auch dies ist die höchste Zahl seit Beginn der Pandemie.

Trotzdem soll in der zweitgrößten Stadt Russlands am Freitag vor zehntausenden Zuschauern eines der Viertelfinalspiele der Fußball-Europameisterschaft stattfinden. Offiziell hat Russland seit Beginn der Pandemie nun schon mehr als 134.500 Todesfälle registriert – die Dunkelziffer ist wahrscheinlich noch deutlich höher. 151.000 Menschen werden aktuell aufgrund einer COVID-19-Erkrankung in russischen Krankenhäusern behandelt.

„Die Situation ist angespannt, besonders in den großen Städten“, sagte Ge­sund­heits­mi­nis­ter Michail Muraschko bei einem im Fernsehen übertragenen Treffen des Coronakrisenstabs der Regierung. Allein in Moskau werden derzeit nach Angaben von Bürgermeister Sergej Sobjanin täglich rund 2.000 Infizierte in die Krankenhäuser eingeliefert.

„Die Situation in Moskau bleibt extrem schwierig“, sagte Sobjanin. In der Hauptstadt seien fast 15.000 Krankenhausbetten mit COVID-19-Patienten belegt und die Zahl der Neuinfektionen sei weiter auf einem „sehr hohen Niveau“. 90 Prozent der Infektionen in Moskau sind nach Angaben von Sobjanin inzwischen auf die zuerst in Indien aufgetretene Delta-Variante des Coronavirus zurückzuführen, die deutlich ansteckender ist als bisherige Varianten.

Am Wochenende hatte Sobjanin alle Einwohner nochmals eindringlich dazu aufgerufen, sich impfen zu lassen. In Russland, das schon früh einen eigenen Impfstoff hatte, ist die Impfskepsis besonders verbrei­tet. Erst 22,2 Millionen der 146 Millionen Russen erhielten nach Angaben der Gogow-Website, die an­gesichts fehlender landesweiter Statistiken Daten aus den Regionen zusammenträgt, bisher mindestens eine Impfdosis.

Das Ziel der russischen Regierung, bis zum Herbst 60 Prozent der Bevölkerung zu impfen, ist damit nicht mehr zu erreichen, wie Kreml-Sprecher Dmitri Peskow gestern einräumte. Erst seit dieser Woche nehme die Zahl der Impfwilligen zu, sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin. Auch Gesundheitsminis­ter Muraschko sprach von einem „deutlichen Anstieg“ der Impfrate.

Der Grund für den Stimmungsumschwung könnten verschärfte Pandemiebestimmungen sein, die seit die­ser Woche in Moskau gelten: Unternehmen müssen 30 Prozent ihrer Mitarbeiter ins Homeoffice schicken – Geimpfte sind davon aber ausgenommen. Zutritt zu Restaurants haben nur noch Moskauer, die vollständig geimpft sind, in den vergangenen sechs Monaten eine Coronainfektion durchgemacht haben oder einen negativen PCR-Test vorweisen können.

Moskau ordnete zudem als erste russische Stadt eine Impfpflicht an. Dienstleistungsunternehmen müssen künftig nachweisen, dass 60 Prozent ihrer Belegschaft geimpft sind. Mindestens ein dutzend andere russische Regionen folgten dem Beispiel der Hauptstadt. © afp/aerzteblatt.de


/picture alliance, dpa

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