RKI: Omikron verdrängt Delta zunehmend, Daten zu Boostereffekt

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 7.1.2022


Ältere Geimpfte mit vollständigem Grundschutz gegen SARS-CoV-2 haben im Durchschnitt ein deutlich höheres Hospitalisierungsrisiko als Menschen mit zusätzlicher Auffrischimpfung. Das zeigen jüngste Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI).

So lag die Hospitalisierungsinzidenz – die Krankenhauseinwei­sun­gen pro Woche und 100.000 Einwohner – bei Geboosterten ab 60 Jahren in Kalenderwoche 51 (bis 26.12.) bei 1,3. Bei Senioren mit vollständi­gem Grundschutz war der Wert dreimal so hoch.

Das weitaus größte Risiko, wegen COVID-19 ins Krankenhaus zu müssen, hatten aber Ungeimpfte mit einer Inzidenz von 29,1. Für Kalenderwoche 51 werden noch Nachmeldungen erwartet.

Es gibt Anzeichen dafür, dass insbesondere der Schutz vor Erkrankung bei Menschen mit vollständigem Grundschutz mit der Zeit abnimmt, wie das RKI am Donnerstag in seinem Wochenbericht schrieb. Vor Hospitalisierung oder tödlichem Verlauf sei diese Gruppe aber weiterhin sehr gut geschützt.

Zudem schreibt das RKI: „In Bezug auf den Schutz vor Hospitalisierung kann durch die Auffrischimpfung eine Steigerung der Effektivität bei den ab 60-Jährigen gezeigt werden.“

Eine zuverlässige Schätzung der Impfeffektivität mit Bezug auf die ansteckendere Coronavariante Omi­kron ist laut RKI aktuell noch nicht möglich. Geimpfte ohne Booster sind Studien zufolge vor Omikron schlechter geschützt.

Allerdings betont das RKI: „Es deutet sich an, dass der Impfschutz gegen schwere Erkrankung bei Immun­gesunden nach jetzigem Kenntnisstand erheblich weniger beeinträchtigt ist als der Schutz vor Infektion / Transmission.“

Die neue Variante wurde im November aus Südafrika gemeldet. Sie ist wesentlich ansteckender als die bislang dominierende Delta-Variante. Zugleich gehen Experten davon aus, dass Omikron tendenziell zu milderen Krankheitsverläufen führt und Infizierte seltener in eine Klinik müssen.

Der Anteil von Omikron am Infektionsgeschehen in Deutschland nimmt rasend schnell zu. So gingen in der Kalenderwoche 52 (bis 2.1.) laut Meldedaten aus den Bundesländern 44,3 Prozent der auf Varianten untersuchten Coronaachweise auf Omikron zurück, wie das RKI schrieb. Eine Woche zuvor wurde der Wert noch mit 15,8 Prozent angegeben.

Bei der Zählung werden sowohl Nachweise mittels Erbgutanalyse (Gesamtgenomsequenzierung) als auch Verdachtsfälle aufgrund sogenannter variantenspezifischer PCR-Tests einbezogen.

„Das aktuelle Geschehen in Deutschland wird zunehmend auch von der besorgniserregenden Variante Omikron bestimmt“, schreibt das RKI. Der Anteil der Delta-Variante, die bis vor wenigen Wochen fast ausschließlich das Infektionsgeschehen dominiert hatte, werde kontinuierlich geringer.

Aussagekräftiger, wenn auch weniger aktuell als die Meldedaten, sind die Stichprobendaten. Hier fließen ausschließlich Gesamtgenomsequenzen von zufällig ausgewählten Proben ein. Der Omikron-Anteil in Kalenderwoche 51 (bis 26.12.) lag demnach laut RKI bei 20 Prozent im Vergleich zu 9 Prozent in der Vorwoche.

Das RKI warnt weiterhin davor, dass es durch die ansteckendere Omikron-Variante „zu einer schlagar­ti­gen Erhöhung der Infektionsfälle und einer schnellen Überlastung des Gesundheitssystems und gege­benenfalls weiterer Versorgungsbereiche“ kommen kann.


/Naeblys, stock.adobe.com

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