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Post-COVID-Patienten mit erhöhter Inanspruchnahme haus- und fachärztlicher Leistungen

Deutsches Ärzteblatt vom Dienstgag 8.2.2022


Post-COVID-Patienten zeigen eine erhöhte Inanspruchnahme haus- und fachärztlicher Leistun­gen sowie eine deutlich erhöhte Verordnungsquote von Rehabilitationsmaßnahmen. Dies zeigen Unter­suchungen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi).

Das Zi hat auf Basis des 2021 eingeführten ICD-Codes für Post-COVID-Patienten eine Studie zu dieser Patientengruppe im ambulanten Versorgungssektor – etwa im Hinblick auf Risikofaktoren und die Inan­spruchnahme von Versorgungsleistungen – durchgeführt.

Ein zentrales Ergebnis: Laut den Informationen aus den vertragsärztlichen Abrechnungsdaten beträgt die Prävalenz von Post-COVID-19 bezogen auf die bis Q1 2021 registrierten COVID-19-Fälle rund sechs Pro­zent. Deutlich höhere Raten wurden in der Gutenberg COVID-19 Studie anhand einer repräsentativen Bevölkerungs­stichprobe von 10.250 Personen berechnet (siehe Kasten).

Ergebnisse der Gutenberg-Studie Wenigstens ein Symptom des WHO-Katalogs gaben etwa 40 Prozent der wissentlich und unwissentlich infizierten Personen an. Aber auch mehr als 40 Prozent der Personen ohne frühere SARS-CoV-2-Infektion berichteten über Long COVID-artige Beschwerden während der Pandemie, die über mindestens 6 Monate anhielten.

Die betroffenen Patienten aus der Zi-Untersuchung wiesen häufiger bestimmte somatische und psychi­sche Vorerkrankungen als nicht von Post-COVID-Betroffene auf, zum Beispiel Adipositas, Rückenschmer­zen oder Anpassungs­störungen. Mehr als 97 Prozent der Patienten mit Post-COVID-Syndrom waren 2020 in vertragsärztlicher Behandlung.

Für Dominik von Stillfried, Geschäftsführer des Zi, stellt das Post-COVID-Syndrom deshalb im gewissen Sinne eine „Fortsetzung bestehender Volkskrankheiten“ dar. Das Schema „jung und gesund und dann Post-COVID“ sei eher die Ausnahme.

Wie Mandy Schulz vom Zi-Fachbereich Versorgungsforschung, Systemanalyse und Data Science erläuter­te, sind Frauen überproportional im Post-COVID-Patientenkollektiv vertreten, sowohl absolut als auch relativ zur Grundgesamtheit.

Folgen für das Gesundheitssystem

Mehr als 70 Prozent der Post-COVID-Patienten sind laut den Daten hausärztlich versorgt worden, etwa 20 Prozent internistisch, davon am häufigsten pneumologisch (13 Prozent).

Bei der Patientenbetreuung zeigt sich eine im Vergleich zu anderen Patienten besondere Belastung – etwa durch zeitintensive Konsulta­tionen wie das problemorientierte Gespräch. Darüber hinaus benötigte ein Anteil von 13 Patienten der Patienten eine weitergehende fachärztliche Betreuung durch Pneumolo­gen und von fünf Prozent durch Kardiologen.

Die Relevanz von Long COVID für das deutsche Gesundheitssystem ordnete Carmen Scheibenbogen von der Charité – Universitätsmedizin Berlin als „sehr relevant ein“.

Bei einer Pressekonferenz des Science Media Center berichtete die Leiterin der Immundefekt-Ambulanz am Institut für Medizinische Immunologie und Leiterin des Fatigue-Centrums: „Wir haben in Deutschland mindestens zehn Millionen Infizierte und wir gehen davon aus, dass nach sechs Monaten etwa zehn Pro­zent davon relevant an einem Post-COVID-Syndrom erkranken.“

Würden von diesen Post-COVID-Betroffenen weitere zehn Prozent schwer mit Myalgischer Enzephalo­mye­li­tis/Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS) erkranken, wären das allein schon etwa 100.000 über­wiegend junge Menschen. „Mit Omikron werden sich viele weitere erkranken. Hier benötigen wir drin­gend Konzepte.“

Zukünftige Studien sollten den erhöhten Konsultationsbedarf und Koordinationsaufwand bei der Be­hand­lung von Patienten mit Post-COVID-19 unter Berücksichtigung der Leitlinien quantifizieren, so Schulz.

Jördis Frommhold von der Median Klinik Heiligendamm, eine Rehabilitationsklinik unter anderem für Atemwegserkrankungen und Allergien, verwies darauf, dass die Datenlage bei Post-COVID oft noch un­scharf sei. Inzwischen wisse man aber, dass eine differenzierte Anwendung von Rehamaßnahmen gute Erfolge erziele.

Grundsätzlich sollten Qualitätskriterien mittels weiterer Vernetzung und Kooperation etabliert werden – diesem Ziel greife man im jüngst gegründeten ärztlichen Fachverband für Long-COVID-Erkrankungen auf. Zudem sollten erfolgreiche Modellprojekte zur transsektoralen Zusammenarbeit umgesetzt werden.


Long-COVID-Patient während Rehamaßnahmen. /picture alliance, Sina Schuldt

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