Pflegebeauftragter nun doch für Coronaimpfpflicht

Deutsches Ärzteblatt vom Mittwoch, 17.11.2021


Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, spricht sich nach anfänglicher Skepsis nun doch für eine mögliche Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitssektor aus.

Er forderte eine zentrale Erfassung der entsprechenden Impfzahlen. „Ich kenne Aussagen von Einrich­tungen, in denen nahezu 90 Prozent geimpft sind. Und es lassen sich derzeit noch viele impfen“, sagte Westerfellhaus der Düsseldorfer Rheinischen Post.

Er schließe sich aber der Empfehlung des Deutschen Ethikrates an und begrüße, dass die Regierungs­fraktionen das Thema jetzt offen diskutierten: „Jede Impfung zählt und wenn wir über eine Impfpflicht für die Beschäftigten des Gesundheitswesens nachdenken, muss die vom Arzt bis hin zum Koch gelten", sagte Westerfellhaus.

„Sehr lange haben wir auf Überzeugung gesetzt. Leider reichen die derzeitigen Impfquoten trotz aller Appelle und ausreichend Impfstoff dennoch nicht aus“, sagte er. „Erneut sterben jeden Tag Hunderte Menschen, die sich mit Corona infiziert haben. Da müssen wir sehr genau abwägen, ob das individuelle Interesse an einer freien Entscheidung über eine Impfung weiterhin Vorrang haben kann.“

Zuvor hatten die Wissenschaftsakademie Leopoldina, die Hausärzte sowie der Deutsche Ethikrat eine Impfpflicht für einzelne Berufsgruppen gefordert.

Dagegen sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallme­dizin (DIVI), Gernot Marx, der Rheinischen Post: „Wir brauchen statt einer Impfpflicht für das Pflegeper­sonal ein echtes Signal der Anerkennung, beispielsweise mit Brutto-wie-Netto-Gehältern bis zum Ende der Pandemie.“

Im Gesundheitssektor seien die meisten Mitarbeitenden ohnehin geimpft. „Die Debatte erweckt nur den Eindruck von Misstrauen seitens der Politik“, so der Verbandschef.


/dpa, Friso Gentsch

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