Personalausfälle schränken Krankenhaus­versorgung ein

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 18.3.2022


Die Anzahl der Patienten mit Coronainfektion in den Krankenhäusern hat ein bisher noch nicht bekanntes Rekordniveau erreicht, parallel dazu haben die krankheitsbedingten Personalausfälle fast flächendeckend zugenommen. Dies bringe die Krankenhäuser in erhebliche Bedrängnis, so die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG).

„Zurzeit behandeln die Kliniken so viele Infektionspatienten wie noch nie seit Beginn der Pandemie“, sagte der Vorstandsvorsitzende der DKG, Gerald Gaß. Vom 1. Februar 2022 bis heute seien die Zahlen um 60 Prozent auf mittlerweile mehr als 24.000 Patienten gestiegen. Das zeige deutlich, dass sich die Rekordinzidenzen auch in den Krankenhäusern niederschlügen.

Infolge dieser wachsenden Zahl an Infektionspatienten müssten in immer mehr Standorten immer grö­ßere Infektionsabteilungen betrieben werden. „Das kostet Personal, das dann an anderer Stelle fehlt, und belastet die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr stark, denn sie müssen rund um die Uhr maximalen Infektionsschutz betreiben“, betonte Gaß.

Zudem verzeichneten rund 90 Prozent der Krankenhäuser aktuell höhere krankheitsbedingte Personal­ausfälle in ihren patientennahen Bereichen als sonst um diese Jahreszeit üblich. Die Entwicklungen sei­en maßgeblich durch die Coronapandemie bedingt. Das habe eine Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) ergeben.

Demnach führen die hohen Krankenstände dazu, dass viele Krankenhäuser die vorhandenen Kapazitäten nicht vollständig auslasten können. Krankheitsbedingt können laut Umfrage aktuell drei Viertel der Häuser ihre Betten auf den Allgemeinstationen nicht vollumfänglich betreiben. Im Vergleich zum Januar 2022 entspricht dies einer Zunahme von 24 Prozent.

In diesem schwierigen Umfeld lasse die Politik die Kliniken im Ungewissen, ob und wie der Corona­ret­tungsschirm über den 19. März hinaus fortgeführt wird, beklagt die DKG. „Uns droht an diesem Wochen­ende ein böses Erwachen, wenn die Politik nicht aufwacht.“

Sollten die Ausgleichszahlungen des Bundes tatsächlich am Samstag auslaufen, verlieren die Kranken­häuser der DKG zufolge sofort eine Milliarde Euro an Liquidität pro Monat, um laufende Personal- und Sachkosten zu bezahlen.

„Wir habe keine Chance, diese finanzielle Lücke ohne Rettungsschirm auszugleichen. Mir fehlt jedes Verständnis für dieses Zögern, und ich weiß auch nicht, wie die Bundesregierung dies den Beschäftigten in den Krankenhäusern erklären will“, so der DKG-Vorstandsvorsitzende.

Am stärksten betroffen von krankheitsbedingten Ausfällen ist den Umfrageergebnissen zufolge der Pfle­gedienst. Hier berichtete jeweils knapp die Hälfte der Krankenhäuser von höheren Personalausfällen (fünf Prozent bis 20 Prozent mehr erkrankt) beziehungsweise deutlich höheren Ausfällen (mehr als 20 Prozent) als üblicherweise zu dieser Jahreszeit. Im ärztlichen Dienst haben drei Viertel der Häuser höhere Krankenstände als üblich.

Man müsse angesichts dieser Zahlen die Mitarbeiter in der Patientenbehandlung bestmöglich entlasten, um die Versorgung aufrechterhalten zu können, sagte Gaß. „Wir fordern daher einen Bürokratielockdown, da wir es uns gerade jetzt nicht mehr leisten können, unsere Pflegekräfte drei bis vier Stunden am Tag für medizinisch-pflegerisch oft unnötige Dokumentationen einzusetzen.“


/picture alliance, Jens Büttner

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