PCR-Tests: Vorrang fürs Gesundheitswesen und Risikopatienten

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag 4.2.2022


Wegen der hohen Zahl an Coronaneuinfektionen und knappen PCR-Tests sollen medizinische La­bore in Kürze verpflichtet werden, Proben von Klinikpersonal und Risikopatienten vorrangig zu untersu­chen.

Das geht aus einem Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit zur Änderung der Coro­na-Testverordnung hervor. Er wurde nun den Ländern für eine abschließende Stellungsnahme zugeleitet und soll demnächst in Kraft treten.

Durch die Anpassung der Testverordnung würden medizinische Labore verpflichtet, die Proben „von Be­schäftigten in Krankenhäusern, Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen, mobilen Pflegediensten und Einrichtun­gen und Diensten der Eingliederungshilfe vorrangig zu untersuchen“, heißt es in dem Entwurf. Dies gelte auch für besonders „vulnerable Personengruppen“ wie Risikopatienten.

Die Spitzenvertreter von Bund und Ländern hatten sich Ende Januar bei ihren Coronaberatungen auf die veränderte Teststrategie verständigt. Dies hatte unter anderem Kritik bei Lehrkräften und Vertretern pflegender Angehöriger ausgelöst, die sich übergangen fühlten.

Der Entwurf verweist nun auf „begrenzte PCR-Testkapazitäten“ vor dem Hintergrund „einer drastischen Zunahme des Infektionsgeschehens durch die Omikron-Variante“. Zur Aufrechterhaltung „eines funkti­onsfähigen Gesundheits- und Pflegewesens“ sei deshalb eine vorrangige Prüfung bei den genannten Gruppen nötig.

In einem begleitenden Papier zur Konkretisierung der Nationalen Teststrategie heißt es, eine Bestätigung eines korrekt durchgeführten und bewerteten positiven SARS-CoV-2-Antigen-Tests sei insbesondere bei hohen Inzidenzen aktuell nicht notwendig und sollte aufgrund klinischer Kriterien abgewogen werden.

Ferner könnten derzeit VOC-spezifische (Genotypisierungs-)PCRs zur Feststellung der Omikron-Variante entfallen. Da es sich bei der Omikron-Variante um die in Deutschland nun dominierende Variante handle, sei von derartigen Testungen kein Zusatznutzen mehr zu erwarten. Zur Überwachung neu auftretender Varianten würden aber weiterhin Sequenzierungen von Stichproben positiver Tests durchgeführt.


/picture alliance, Julian Stratenschulte

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