Omikron: Erste Doppelinfektionen mit BA.2 nach BA.1 in Dänemark

Deutsches Ärzteblatt vom Mittwoch, 23.2.2022


In Dänemark, wo sich der Subtyp BA.2 von Omikron bereits durchgesetzt hat, gibt es erste Fälle, in denen sich Patienten nach einer früheren Infektion mit BA.1 erneut mit BA.2 infiziert haben. Es dürfte sich nach einem Bericht in medRxiv (DOI: 10.1101/2022.02.19.22271112) jedoch um seltene Er­eignisse handeln. Betroffen waren jüngere, überwiegend ungeimpfte Menschen.

Dänemark konnte aufgrund einer hohen Impfquote von mehr als 80 % (bei 62 % mit Booster) während der Omikron-Epidemie weitgehend auf Einschränkungen des sozialen Lebens verzichten.

Die 7-Tage-Inzidenz stieg Anfang Februar auf über 5.000/100.000 an bei weniger als 30 Todesfällen. Etwa 1,8 Mio. von 5,8 Mio. Dänen wurden seit dem Eintreffen von Omikron Ende November bis zum 11. Februar positiv auf SARS-CoV-2 getestet.

Unter Leitung des Statens Serum Institut in Kopenhagen wurden etwa 140.000 Virusgenome sequen­ziert. Darunter waren 64 Fälle, in denen sich dieselbe Person zweimal im Abstand von 20 bis 60 Tagen infiziert hatte und beide Infektionen auf die Omikron-Variante von SARS-CoV-2 zurückzuführen waren.

In 17 Fällen wurde in beiden Abstrichen der Subtyp BA.1 gefunden. Die RNA-Sequenz war in den meisten Fällen identisch. Das Team um Morten Rasmussen vom Statens Serum Institut geht deshalb davon aus, dass es sich nicht um eine Reinfektion, sondern um eine verschleppte Infektion gehandelt hat.

Dies kann bei den 47 Patienten, bei denen im ersten Abstrich BA.1 und im zweiten Abstrich BA.2 gefun­den wurde, ausgeschlossen werden. Beide Subtypen unterscheiden sich an bis zu 30 Stellen (Mutationen und Deletionen mit Änderung der Proteinsequenz).

Eine solche Veränderung ist bei einer chronischen Infektion mit demselben Erreger in den median 36 Tagen, die zwischen den beiden Tests lagen, kaum möglich. Außerdem wäre es ein seltsamer Zufall, wenn dabei ausgerechnet derselbe Subtyp BA.2 entsteht, der inzwischen mit einem Anteil von 88 % das Infek­tionsgeschehen in Dänemark bestimmt.

Es muss sich bei den 47 Personen also um Reinfektionen gehandelt haben. Mit solchen Fällen musste auf­grund der genetischen Unterschiede zu BA.1 gerechnet werden. Ihre Zahl scheint jedoch auch bei einer ungebremsten Epidemie wie in Dänemark eher selten zu sein.

Auffallend ist, dass vor allem jüngere Personen betroffen waren (die eigentlich die bessere Immunab­wehr haben sollten). Das mediane Alter betrug 16 Jahre, bis auf 4 waren alle unter 30 Jahre. Insgesamt 42 der 47 Patienten waren nicht gegen COVID-19 geimpft.

Die erste Infektion erzielte vermutlich eine unzureichende Immunität, die die 2. Infektion nicht verhin­dern konnte. Immerhin waren die Ct-Werte bei der Reinfektion höher, was eine niedrigere Viruslast anzeigt.

Infektion und Reinfektion verliefen in der Regel milde. Keiner der 47 Patienten musste im Krankenhaus behandelt werden. Die mittlere Dauer der Symptome betrug bei beiden Infektionsrunden 4 Tage.

In Deutschland ist die Zahl der Infektionen mit BA.2 zuletzt ebenfalls angestiegen. Im letzten Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts lag der Anteil bei 14,9 %.


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