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Omikron: Booster schützt vor Hospitalisierung, aber nicht unbedingt vor Tod im Krankenhaus


Deutsches Ärzteblatt vom Donnerstag, 10. März 2022


Nach einer Boosterung erreichen mRNA-Impfstoffe in der aktuellen Omikron-Epidemie die gleiche Schutzwirkung vor einer Hospitalisierung wie eine Grundimmunisierung gegen die Alpha- und Delta-Variante.

Dies bestätigen die Ergebnisse der jüngsten Test-negativen Fall-Kontrollstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2022; DOI: 10.1136/bmj-2021-069761). Dort wurde jedoch auch beobachtet, dass Omikron-Infi­zier­te bei einer Hospitalisierung ein erhebliches Risiko auf einen schweren Verlauf und einen tödlichen Aus­gang haben.

Test-negative Fall-Kontrollstudien wurden in der Vergangenheit genutzt, um die Effektivität der jähr­li­chen Grippeimpfungen abzuschätzen. Diese unterliegt großen Schwankungen, da sich die Influenza­viren von Jahr zu Jahr genetisch verändern und der Impfstoff nicht immer gleich gut „greift“.

Auch SARS-CoV-2 hat bekanntlich sein genetisches Make-Up verändert und Test-negative Fall-Kontroll­studien werden auch hier genutzt, um die Wirksamkeit der Impfstoffe abzuschätzen.

Über die vermutlich größte Datenbasis verfügt das IVY-Netzwerk („Influenza and Other Viruses in the Acutely Ill“) der US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC), das 2019 gegründet wurde und seit März 2021 auch die Wirksamkeit der COVID-19-Impfungen untersucht.

Ein Team um Wesley Self von der Vanderbilt Universität in Nashville/Tennessee hat jetzt die Daten von 11.690 Erwachsenen ausgewertet, die zwischen März 2021 und Januar 2022 in 21 US-Krankenhäusern behandelt wurden: 5.728 waren mit COVID-19 infiziert.

Die anderen 5.962 bildeten die Kontrollgruppe. Es waren einmal Patienten mit ähnlichen Symptomen, aber einem negativen PCR-Test. Eine 2. Gruppe bestand aus Patienten, die aus anderen Gründen im Krankenhaus behandelt wurden.

Bei fast der Hälfte der Infizierten war eine Genomsequenzierung des Virus vorgenommen worden, die eine klare Zuordnung zu den Varianten erlaubt. Die Forscher konnten dadurch 3 Perioden unterscheiden, in denen Alpha, Delta und Omikron dominierten. Die Analyse beschränkt sich auf die Wirksamkeit der beiden mRNA-Impfstoffe, die in den USA hauptsächlich verwendet wurden.

Die Ergebnisse bestätigen zunächst, was aus früheren Untersuchungen bekannt ist. Die Schutzwirkung vor einer Hospitalisierung war gegen Alpha mit 85 % (95 % Konfidenzintervall 82 % bis 88 %) und gegen Delta mit 85 % (83-87 %) gleich gut, fiel dann aber in der Omikron-Periode auf 65 % (51-75 %) ab. Die Boosterung steigerte die Impfstoffwirksamkeit gegen Omikron wieder auf 86 % (77-91 %), weshalb die Entscheidung zur Boosterung richtig war.

Bei allen 3 Varianten war die Impfstoffwirksamkeit bei Menschen mit einer Abwehrschwäche vermin­dert. Dies waren Krebspatienten, HIV-Infizierte, Menschen mit angeborenen Immunschwächen, Patien­ten nach Splenektomie, Organtransplantierte und andere Patienten die immunsupprimierende Medi­kamente ein­nehmen müssen, weil sie an rheumatischen oder anderen chronisch-entzündlichen Erkran­kungen leiden.

Die Schutzwirkung vor einer Hospitalisierung lag für diese Patienten in der Alpha-Periode bei 58 % (33-73 %) und in der Delta-Periode bei 63 % (52-71 %). Daten für die Omikron-Periode lagen noch nicht vor. In der Delta-Periode konnte der Immunschutz der Immungeschwächten durch eine Boosterung auf 87 % (78-92 %) verbessert werden.

Neben dem Impfschutz haben die Forscher auch Daten zum Verlauf der Erkrankung gesammelt. Dabei bestätigte sich, dass die Delta-Variante zu den schwersten Erkrankungen führt, vor denen eine Impfung nur bedingt schützt.

Nach der Analyse sind in der Delta-Periode 13,2 % der geimpften und 11,8 % der ungeimpften Patienten im Krankenhaus gestorben (der Unterschied war nicht signifikant). Der kombi­nierte Endpunkt aus Tod oder maschineller Beatmung trat bei 20,1 % und 27,3 % der Patienten ein.

In der Alpha-Periode starben 4,3 % der geimpften und 8,1 % der ungeimpften Patienten im Krankenhaus. Der kombinierte Endpunkt aus Tod oder maschineller Beatmung trat bei 8,6 % und 23,1 % der Patienten ein. Der Verlauf war also, vor allem für Geimpfte wesentlich milder als in der Delta-Periode.

In der Omikron-Periode starben 5,1 % der geimpften und 9,2 % der ungeimpften Patienten im Kranken­haus. Der kombinierte Endpunkt aus Tod oder maschineller Beatmung trat bei 14,3 % beziehungsweise 19,9 % ein.

Eine COVID-19-Erkrankung bleibt also bei Patienten mit Omikron-Infektion gefährlich, wenn wegen einer schweren Erkrankung eine Hospitalisierung notwendig wird. Bei Ungeimpften kommt es in jedem 5. Fall zu einem kritischen Verlauf. Bei Geimpften ist die Situation günstiger, wobei aus den Zahlen nicht klar wird, welchen Einfluss eine Boosterung hatte.



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