Nasenspray mit TMPRSS2-Inhibitor stoppt SARS-CoV-2 auf der Schleimhaut

Deutsches Ärzteblatt vom Mittwoch, 30.3.2022


Kanadische Forscher haben einen Wirkstoff entwickelt, der das Enzym TMPRSS2 auf den Zell­membranen in den Atemwegen blockiert. Es wird von SARS-CoV-2 benötigt, um ins Innere der Zellen zu gelangen. 1. Experimente an Mäusen in Nature (2022; DOI: 10.1038/s41586-022-04661-w) zeigen, dass eine intranasale Anwendung eine Infektion verhindert. Der Wirkstoff blieb auch in den ersten Stunden nach der Infektion noch wirksam.

Coronaviren sind bei der Infektion auf die Mithilfe der Zellen angewiesen, die sie attackieren und zer­stören. Eine Bindung und Fusion mit der Zellmembran ist erst möglich, wenn eine Furinprotease das Spikeprotein in S1 und S2 zerlegt hat und S2 danach mit einer Typ-II transmembranen Serinprotease (TTSP) auf die Fusion vorbereitet wird. Daraus ergeben sich neue Ansätze für Virostatika, die als HDA („host-directed antivirals“) bezeichnet werden.

Ein vielversprechender Kandidat ist N-0385, den Forscher der Université de Sherbrooke in Québec entwickelt haben und der mit Kollegen der Universität Vancouver und der Cornell University in Ithaca/New York präklinisch getestet wurde.

N-0385 bindet und blockiert die TTSP-Variante TMPRSS2, was zunächst in Zellkulturen eine Infektion sicher verhindert hat. Eine Wirksamkeit wurde gegen alle verfügbaren besorgniserregenden Virusvarian­ten (Alpha, Beta, Gamma und Delta) gefunden. Omikron gab es zum Zeitpunkt der Experimente noch nicht. Mutationen, die die Viren resistent machen würden, sind bisher noch nicht aufgetreten. Sie sind nur schwer vorstellbar, da das Medikament nicht die Viren angreift, sondern deren Einfallstor in die Zellen versperrt.

Erste Experimente an Mäusen ergaben, dass ein Nasenspray mit N-0385 eine Infektion deutlich ab­schwächen kann. Die prophylaktische Gabe verhinderte, dass die Mäuse an Gewicht verloren und an COVID-19 starben. Auch eine Behandlung 12 Stunden nach der Infektion erzielte noch eine gute Wirk­samkeit. Eine neu gegründete Firma, Ebvia, bemüht sich derzeit um die Finanzierung einer 1. klinischen Studie.


/Nicole Lienemann, stock.adobe.com

0 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen