Merkel: Kreativität bei Impfangeboten sind keine Grenzen gesetzt

Deutsches Ärzteblatt vom Dienstag, 13. Juli 2021

Eine Impfpflicht wie in Frankreich ist in Deutschland nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht geplant. „Wir haben nicht die Absicht, diesen Weg zu gehen, den Frankreich vorge­schlagen hat. Wir haben gesagt, es wird keine Impflicht geben“, sagte Merkel heute nach einem Gespräch mit Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) und dem Präsidenten des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, in Berlin.

Sie glaube nicht, dass durch eine Veränderung dieser Aussage Vertrauen gewonnen werden könne. Auch für Mitarbeitende im Gesundheitswesen, wie beispielsweise in Italien oder Griechenland, soll es keine Impfpflicht geben.

Bei dem Besuch im RKI warb Merkel erneut fürs Impfen: „Und deshalb sage ich allen, die noch unsicher sind, ob sie sich impfen lassen sollen: Eine Impfung schützt nicht nur Sie, sondern auch immer jeman­den, dem Sie nahe stehen, der Ihnen wichtig ist, den Sie lieben“, betonte Merkel. Eine Impfung bewahre nicht nur vor schwerer Krankheit, sondern auch vor den belastenden Beschränkungen des Alltags. „Je mehr ge­impft sind, umso freier werden wir wieder sein, umso freier können wir wieder leben.“

Dabei habe sie große Sympathie dafür, wenn möglichst kreative Wege beim Impfen gegangen werden. „Der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt.“ Sie verwies auf Aktionen etwa bei Moscheen und Kirchen oder „verschiedenen Anlässen“, wie Beispielsweise einem Parkplatz eines Möbelhauses.

„Die Pandemie ist nicht vorbei“, mahnte die Kanzlerin zugleich. Das gelte trotz der Fortschritte beim Impfen und der derzeit nicht drohenden Überlastung des Gesundheitswesens. Die Abstands- und Hygie­ne­regeln sowie das Lüften in Innenräumen müssten weiter eingehalten werden.

Die Sorge um eine möglicherweise nachlassende Impfbereitschaft in der Bevölkerung gibt es allerdings auch in Deutschland. Nach Aussage von Fachleuten beim RKI müssten in Deutschland Impfquoten von 85 Prozent unter den Zwölf- bis 59-Jährigen erreicht werden. Bei den Über-60-Jährigen müsse die Quote bei 90 Prozent liegen, um angesichts der Verbreitung der Deltavariante einen neuerlichen starken An­stieg der Fallzahlen zu vermeiden. Davon sei Deutschland aber „noch weit entfernt“, erklärte Merkel.

Nach Angaben von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn sind inzwischen 84 Prozent der über 60-Jäh­rigen mindestens einmal geimpft und 60 Prozent bei den 18 bis 59-Jährigen. Auch Studien des RKI sowie andere Befragungen wie die COSMO-Studie aus Erfurt zeigten, dass die Impfbereitschaft sehr hoch sei. Daher gebe es nach Überzeugung von RKI-Präsident Lothar Wieler auch aus wissenschaftlicher Sicht keinen Grund für eine Pflicht. Aber: „Es muss uns gelingen, die Impfung zu den Menschen zu bringen.“

Auch Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Spahn sprach sich gegen eine Impfpflicht aus. Es sei ein „Gebot der Ver­­nunft, sich impfen zu lassen“, sagte der Ge­sund­heits­mi­nis­ter. Dann brauche es auch keine zusätzlichen Tests und in den seltensten Fällen eine Quarantäne.

Merkel und Spahn deuteten an, dass sie sich in den nächsten Monaten vorstellen können, dass die der­zeit kostenlosen Coronatests für Ungeimpfte kostenpflichtig werden könnten. Noch sei es zwar nicht so­weit, aber in einer späteren Phase könnte man darüber nachdenken, sagte Spahn.

Merkel ergänzte, es gebe im Moment noch Gruppen, die nicht geimpft werden könnten, etwa Kinder oder Menschen, die viel­leicht andere Gründe hätten, warum sie sich nicht impfen lassen könnten.

In den Schulen müsse daher das Testen zunächst bleiben. Man werbe daher im Augenblick für Impfun­gen. Bei Maßnahmen, „die so eine indirekte Impfpflicht sind“, müsse man gut überlegen. © bee/afp/dpa/aerzteblatt.de


/picture alliance, Michael Kappeler

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