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Mehr Personal für bessere Pandemievorsorge benötigt

Deutsches Ärzteblatt vom Montag, 17.10.2022


Um künftig besser auf Pandemien reagieren zu können, braucht es deutlich mehr gut ausgebildetes Per­sonal. Das betonte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) heute beim World Health Summit (Weltge­sundheitsgipfel) in Berlin. Dieses müsse eingesetzt werden, um Epidemien und Pandemien schneller zu erkennen, damit entsprechende Maßnahmen besser eingeleitet werden könnten.

Es müsse künftig alles darangesetzt werden, zu verhindern, dass lokale Ausbrüche zu globalen Pandemien aus­wach­sen, erklärte der Minister. Er setzt dabei vor allem auf junge Menschen, die „Fridays for Future Generation“, denen er eine Möglichkeit geben möchte, sich auf Pandemievorbereitungen zu spezialisieren. Zudem müsse der Fokus künftig stärker auf Instrumente der Überwachung (Surveillance) gelegt werden. Hier brauche es mehr In­vestitionen, so Lauterbach.

Der Minister betonte auch die wichtige Rolle der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der Pandemiebe­reit­schaft. Diese Institution müsste in seinen Augen weiter gestärkt werden. Lauterbach warnte allerdings davor, noch mehr kleinere Institutionen oder Organisationen zu schaffen, die keine finanziellen Möglichkeiten hätten oder kaum mit Personal ausgestattet seien. Besser sei es jetzt kleinere Organisationen in bestehende zu inte­grieren und so zentraler etwa in gut ausgebildetes Personal zu investieren.

Derzeit zeichne sich zudem eine weltweite Abwärtsspirale aufgrund der aktuellen Krisen und des Klimawandels ab, der wiederum Pandemien verstärken würde, sagte Lauterbach. Und: „Wir verzeichnen gerade wieder mehr Ausbrüche wie Ebola, Polio oder Cholera und die COVID-19-Pandemie ist noch lange nicht vorbei.“ Diese Spirale gelte es aufzuhalten und zu einer Aufwärtsspirale umzukehren.

Lauterbach erläuterte, dass es im Zuge der deutschen G7-Präsidentschaft hierzulande viele Ideen und einen guten Willen gegeben habe, künftige Pandemieausbrüche besser zu managen. Allerdings fehle bislang noch ein spezifisches „Instrument“, das wirklich einen Unterschied machen könnte.

Vereinbart wurden im Rahmen eines Treffens der G7-Gesundheitsminister Lauterbach zufolge allerdings Ge­sprä­che mit 30 bis 40 internationalen Expertinnen und Experten. Mit diesen wurde Lauterbach zufolge disku­tiert, welche Maßnahmen und Instrumente derzeit fehlen würden und was künftig besser gemacht werden sollte.

Für bessere Pandemiebereitschaft Gesundheitsversorgung in Gemeinden stärken

Michael Ryan, Geschäftsführer des WHO-Programms für gesundheitliche Notfälle, will ähnlich wie Lauterbach die jungen Generationen stärker einbeziehen, um künftige Pandemien besser bewältigen zu können. Wichtig sei aber insbesondere die Gesundheitsversorgung vor Ort pandemiesicher zu gestalten.

Keine globale Strategie werde funktionieren, wenn nicht gleichzeitig auch Innovationen auf der lokalen Ge­meindeebene implementiert werden, erklärte Ryan. Diese beiden Ebenen der Gesundheitssysteme müssten demnach eng verknüpft werden. „Die letzte Meile der Gesundheitsversorgung ist gleichzeitig die erste Meile der Gesundheitssicherheit“, so Ryan. Um die Gesundheitsversorgung auch während Pandemien aufrechtzuerhalten, müsse diese „Meile“ deshalb unbedingt abgesichert werden.

Die WHO verfüge außerdem bereits über knapp 20.000 im Gesundheitsbereich ausgebildete Personen, darunter Krankenpfleger, Ärztinnen oder Physiotherapeuten, die in medizinischen Teams in Notfällen sofort international eingesetzt werden könnten, so Ryan. Diese Zusammenarbeit insbesondere auch zwischen dem globalen Norden und Süden sei für die Zukunft sehr wichtig, um ein globales resilientes Gesundheitssystem zu entwickeln.

Der stellvertretende Generaldirektor für den Bereich Notfallvorsorge und internationale Gesundheits­vorschrif­ten bei der WHO, Jaouad Mahjour, betonte die Notwendigkeit alle Länder hinsichtlich Pandemiebewältigung fit zu machen. „Wir sind insgesamt so schwach wie die Schwächsten“, betonte er. Deshalb müssten Länder von in­ternationaler Seite aus unterstützt werden, die sich selbst nicht schützen könnten, so Mahjour.

Stärkung internationaler Gesundheitsbehörden

Bezüglich einer besseren Pandemiebewältigung sei gute Kommunikation das Wichtigste, betonte die General­di­rektorin Sandra Gallina der Abteilung Gesundheits- und Lebensmittelsicherheit bei der Europäischen Kommis­sion. Gerade die Europäische Union (EU) müsse in Krisenzeiten wie der Pandemie mit einer Stimme sprechen, betonte Gallina.

Zudem habe die EU als Reaktion auf die Covid-19-Pandemie Gesundheitsinstitutionen wie die Europäische Arz­neimittelagentur (EMA) oder das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) gestärkt. Auch die neu geschaffene EU-Gesundheitsbehörde HERA biete künftig raschere und effektivere Möglichkeiten, um auf Pandemien zu reagieren.

Im Mai dieses Jahres hatten die Gesundheitsministerinnen und -minister der G7-Staaten in Berlin einen Pakt zur besseren Pandemievorsorge vereinbart. Dieser soll Frühwarnsysteme zur effektiven Pandemievorsorge stärken.

Das WHO-Zentrum für Pandemie- und Epidemieaufklärung (WHO Hub for Pandemic and Epidemic Intelligence) in Berlin soll als Knotenpunkt genutzt werden, damit Daten schneller und besser analysiert und genutzt wer­den können. Das Zentrum wurde bereits im September 2021 gestartet. Zudem soll die WHO in dieser Hinsicht stärker finanziell unterstützt werden.


Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (Mitte), Michael Ryan, Geschäftsführer des WHO-Programms für gesundheitliche Notfälle (rechts) und Chikwe Ihekweazu (Moderation, WHO)

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